Blond und deutsch II

Magazin "Blond", Autor auf Webpage nicht genannt (könnte es der Bruno Pischel sein, oder sind die da alle so?):

    >>Die neue EP von MIA heißt "Was es ist" und sie ist mehr als nur eine neue Platte. Denn hinter ihr verbirgt sich ein Plan, den vor allem das Titellied vorantreiben will. Es ist der Plan, den Deutschen eine neue Identität zu geben. Mieze sagt: "Uns fehlt immer noch das geklärte Verhältnis zu unserer Herkunft."<<
Ich weiß ja nichts über die Eltern der bei Mia Musizierenden, aber meine Herkunft ist ziemlich geklärt. Und dass die Musiker von "Mia" 150%ige Deutsche sind, darüber räumen sie gleich letzte Zweifel aus:
    >>Natürlich dürfe man die Verbrechen der Deutschen nicht vergessen, aber über die Gegenwart und die Zukunft werde im Vergleich sehr wenig gesprochen. Schließlich habe sich einiges geändert. Und Gitarrist Andi sagt: "Die Leute in Deutschland sprechen oft davon, dass sie Weltbürger seien und prinzipiell ist das ja auch schön. Auf dem Weg dahin darf man aber den ersten Schritt nicht vergessen. Man muss zuerst seine eigene Herkunft klären und das kann nur über den Weg der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit geschehen."

    Das neue daran ist nun, dass MIA eben nicht ausschließlich das Dritte Reich damit meinen, sondern auch die neuere deutsche Geschichte mit einbeziehen.<<
Darauf ist ja echt noch nie jemand gekommen. Nein, nicht das mit dem Einbeziehen der neueren deutschen Geschichte, das gab's schon bei Geier Sturzflug, Fehlfarben und ungefähr 10.000 anderen Bands, deren Namen mir zum Glück entfallen sind. Zu behaupten, Mia sei die erste Kraut-Band, die sich mit der deutschen Geschichte seit 1945 beschäftigt hat sich noch nicht mal Spiegel-Online getraut, wo ein Ulf Lippitz schrieb:
    <<Dabei träumen die sympathischen, anarchistisch angehauchten Berliner eigentlich die richtigen Träume zur richtigen Zeit.>>
Etwa:
    >>"Stell dir mal vor, wir würden alle aufhören zu jammern und etwas tun", sagt Mieze. "Ich schneide dir die Haare, dafür legst du mir die Fernsehkabel. Arbeit muss doch nicht mit Austausch von Geld verbunden sein." In der schummrigen Beleuchtung des Schlafzimmers reizen solche Utopien, im gleißenden Licht der Öffentlichkeit haftet ihnen schnell das Etikett der Naivität an. Mia wissen darum, kämpfen aber für ihre Position. Glaube versetzt Berge und Einwände. "Die Gedanken sind frei", sagt Mieze.<<
Heute gelernt, nein doch schon vorher gewusst: Man kann auch ohne Geld Spaß haben, wenn man nur richtig deutsch empfindet.

Dienstag, 16. März 2004, 22:08, von eagleton | |comment