Beschleunigter Bildungsbürger

Rudolf Maresch schreibt in Telepolis über die rasante Karriere des FAZ-Mitherausgebers Frank Schirrmacher:

    >>Und auch die Fertigstellung einer Doktorarbeit mit einer dekonstruktiven Analyse der Schriften Kafkas binnen eines Vierteljahres (abgeschlossen mit einem "summa cum laude" an der GHS Siegen), galt als herausragende Leistung. Aber dass er, nachdem er kurz zuvor erst Reich-Ranicki beerbt hatte, auch noch für Hans-Joachim Fest in die Leitung der Zeitung aufrücken würde, hatte die Kenner des Blattes doch schon sehr überrascht.<<
Sowohl 1) die fixe Doktorarbeit als auch 2) das schnelle Aufrücken an Fests Stelle können durch folgende Passagen vielleicht nicht vollständig erklärt, aber doch ein wenig erhellt werden:
    1) >>Frank Schirrmacher (36), jüngster Herausgeber des »FAZ«-Feuilletons aller Zeiten, soll auf seinem fulminanten Karriereritt, wie der »Spiegel« (20/96) ermittelt hat, einige akademische Hürden nicht so akurat genommen haben, wie es der universitäre Comment verlangte. Und zwar soll er zwecks Erlangung des Doktortitels seine Heidelberger Magisterarbeit, die wiederum »weitgehend identisch« mit einer von ihm selbst besorgten Veröffentlichung in einem Suhrkamp-Sammelband über Kafka sei, lediglich um 32, allerdings »disparate« und »von Fragwürdigkeiten überschattete« Seiten erweitert haben: ein »ganz und gar ungewöhnlicher«, geradezu »anrüchiger«, jedenfalls »absolut unakademischer«, »mit allen akademischen Sitten brechender«, zumindest unüblicher und unschöner Kasus wohl denn – und damit nicht genug. Ferner habe er nämlich diese Angelegenheiten im Fragebogen für das Munzinger Archiv nicht freimütig bekannt, sondern das Zustandekommen seiner Graduierung vordatiert und aus der Doppel- und Dreifachverwendung Kafkas spornstreichs etwas »über den amerikanischen Dekonstruktivismus« werden lassen. <<

    2) >>Überdies habe Schirrmacher seinerzeit, teilt der »Spiegel« mit, es sich angeraten sein lassen, seinen Vorgänger im Herausgeberamte, den bewunderungswürdigen Herrn Joachim Fest, in einer Weise zu bewundern und zu würdigen, die ihn schließlich zum Nachfolger seines Vorgängers avancieren ließ. Zu dem Behuf gab er diesem gegenüber an, von der »Society of Fellows« gebeten worden zu sein, einen Vortrag über dessen Hitler-Buch halten zu sollen, woraufhin Fest ihm, der ganze Passagen aus dem »intellektuell einflußreichsten Werk, das in Deutschland seit 1945 veröffentlicht worden ist« (Schirrmacher), auswendig gelernt hatte, vier Abende bei sich zu Hause Gelegenheit zur Schmeichelei verschaffte, die Schirrmacher, wie bekannt, auch souverän zu nutzen wußte. Zwar organisiert die »Society of Fellows« keine Vorträge, sondern Essen, doch dies war Schirrmacher und wohl auch Fest herzlich egal, der Emporgekommene erkannte in dem Emporkömmling einen Geistesverwandten wieder, und warum auch nicht. << (beide Zitate Rayk Wieland in Konkret 6/96, S. 41)

Samstag, 13. Mai 2006, 11:25, von vr | |comment

 
Wer war denn der Doktorvater
bei der Trickserei?

... link  

 
>>Es kommt noch ärger. Denn sein Doktorvater, der Romanist Hans Ulrich Gumbrich, der für die kecke Tat auf »magna cum laude« plädiert hatte, wurde daraufhin in der »FAZ« von seinem Adlatus eins zu eins ob seiner in der Tat »neue Perspektiven für die Geisteswissenschaften« (Schirrmacher) eröffnenden Gaunerei ausgiebigst gewürdigt.<< (a.a.O.)

... link  

 
ach
der, da war der ja gar nich mehr in Siegen

... link  


... comment