Recherchekünstler ohne Keule

Der freie Journalist Mario Sixtus hat Schwierigkeiten, das Fettgedruckte in meinem Eintrag "Buchmesse und antisemitische Klassiker" zu erkennen*, deshalb noch einmal ausdrücklich:
Der Text stammt von Matthias Küntzel, nicht von mir, er ist mit Genehmigung des Autors auf meinem Weblog wie auf vielen anderen Webpages zu finden.

Um niemanden zu Unrecht mit der Antisemitismuskeule zu treffen, wählt Sixtus die Überschrift

    "Antisemitische Propaganda?"
und nicht
    "Antisemitische Propaganda".
Sixtus hat nicht nur ein Problem mit Antisemitismuskeulen, er fordert sogar mit Harald Schmidt:
    >>Jede Minderheit hat ein Recht darauf, dass man über sie Witze macht.<<
Und fügt hinzu:
    >>Das ist nämlich Integration.<< (Hervorhebung im Original, VR)
Und so warte ich gespannt auf Sixtus' ersten Judenwitz - er würde den hier lebenden Juden sicher sehr dabei helfen, sich in Deutschland gut integriert zu fühlen.

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Vor einer Reihe von Jahren hat Friedrich Küppersbusch Harald Schmidt in "ZAK" auf seine Forderung, "es müsse im deutschen Fernsehen wieder möglich sein, Judenwitze zu machen" angesprochen und ihn gebeten, doch mal einen Judenwitz zu erzählen. Schmidt produzierte - was bei ihm sonst sehr selten vorkommt - so etwas wie einen Systemabsturz, grinste dümmlich und antwortete nur, er kenne gar keinen.

In einem aktuellen Interview distanziert sich Schmidt "taktisch" von Judenwitzen:
    >>Haben Sie jemals einen sogenannten "Judenwitz" gemacht?

    Schmidt: Wieder: Nein! Bei dem Begriff geht es ja schon los: Ist ein Witz über einen Mitbürger mosaischen Glaubens ein Judenwitz? Mit Sicherheit nicht. Aber da das von den Medien dramatisch verkürzt wird, kommen Sie ganz schnell in eine Ecke, aus der Sie nie wieder rauskommen.

    Also ist es ein Tabu?

    Schmidt: Es ist mehr als das: Sie bieten damit Leuten eine Chance, Sie zu belangen, die sonst nicht an Sie rankommen. Deswegen habe ich - außer zu dessen Kokain-Affäre - niemals eine Michel-Friedman-Parodie gemacht, obwohl ich dazu mehrfach von führenden Repräsentanten der linksliberalen Presse aufgefordert wurde. Ich dachte mir: Diesen Fehler überlasse ich anderen.<<
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* Einige Tage später tat es ihm die Bundeszentrale für politische Bildung gleich und ezählte ebenfalls, ich wäre auf der Frankfurter Buchmesse gewesen. Ich bin immer wieder fassungslos, wie niedrig die journalistischen Standards sind bzw. wie lückenhaft die redaktionelle Überprüfung der sachlichen Richtigkeit von Texten zu sein scheint, siehe auch mein Eintrag zum Tod von Shirley Horn.

Mittwoch, 26. Oktober 2005, 12:39, von vr | |comment