Wahlalternative

1 Die Populismus-Vorwürfe von bürgerlichen Autoren wie Jörg Lau gegen die WASG laufen ins Leere, weil alle etablierten Parteien populistisch agieren, siehe Münteferings Heuschrecken-Kampagne, diverse CDU-Wahlkämpfe gegen Ausländer (Kinder statt Inder, Roland Kochs Anti-Doppelpass-Wahlkkampf), das Guidomobil etc.

2 Das Eigentümliche der WASG besteht u.a. in der gleichzeitigen Mobilisierung antikapitalistischer Affekte (im Gegensatz zu einer rationalen Kritik des Kapitals und seiner Gesellschaft) v.a. durch ihren öffentlichkeitswirksamen Protagonisten bei der gleichzeitigen Beteuerung, mit einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik ginge es auch der Wirtschaft besser.*

3 Wer Keynesianismus als "links" und Wirtschaftsliberalismus als "rechts" verortet, verliert meist aus dem Auge, wie beide aufeinander verwiesen sind und z.T. die von ihrem Gegenpart verursachten Probleme zu lösen versuchen (internationale Arbeitsteilung zwischen Hoch- und Niedriglohnländern; liberale Wirtschaftspolitik besorgt die notwendige Zerstörung von Überkapazitäten, die durch keynesianische Politik aufgebaut wurden; keynesianische Politik befriedet den Klassenkampf, drückt aber Profitraten etc.).

4 Die aktuell wieder beliebte Vorstellung, dass der "linke und rechte Rand" besonders viele Gemeinsamkeiten hätten, blendet absichtsvoll die bürgerliche Mitte aus - die Israelhasser Möllemann und Blüm waren oder sind in ihren bürgerlichen Parteien gerade nicht dem rechten Rand zuzuordnen (gewesen), Heuschrecken-Müntefering gehört nicht zum linken Flügel der SPD. Antisemitische Metaphern und Codes sind quer durch alle politischen Lager zu finden, sie gehören zur kulturellen und politischen Geschichte Europas. Besondere Aufmerksamkeit erfordert derzeit die erneute Aufladung des Diskurses über soziale Gerechtigkeit mit antisemitischen Bildern (Heuschrecken, Parasiten, Blutsauger etc.). Eine Linke, die es nicht schafft, das Soziale zu thematisieren, ohne in hate speech zu verfallen, gibt nur zu einer Hoffnung Anlass: der auf ihren baldigen Untergang.

*"Wir unterstützen die gewerkschaftlichen Bestrebungen, die Einkommen mindestens in dem Maße zu steigern, wie die gesamtwirtschaftliche Produktivität und das Preisniveau steigen. Nur wenn auf diese Weise der Verteilungsspielraum ausgeschöpft wird, sind eine ausreichende Steigerung der Nachfrage, die Auslastung der Produktionsanlagen und wachsende Beschäftigung möglich." (WASG-Gründungsprogramm (pdf))

Mittwoch, 29. Juni 2005, 13:23, von vr | |comment

 
Stimmt,
Du hast recht, es ist nicht wirklich die Alternative, die Du siehst... mea culpa!

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Kein Problem, ich muss nur auf meinen Ruf achten. :)

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Ruf...
das sehe ich allerdings ein ;-)

Im Ernst: irgendwie in den falschen Hals bekommen. Auch wenn ich (war sicher auch nicht zu erwarten ist) auch nicht jeder Aussagen im Artikel zustimme: eine Empfehlung der WASG ist er natürlich nicht...

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