1. Wenn es stimmt, dass 15% der NPD-Vorständler V-Leute sind, war die Sachsen-Wahl ein bemerkenswerter Erfolg für den Verfassungsschutz, der damit auch in ein Landesparlament eingezogen sein dürfte.
2. Dieselben Meinungsforscher, die die heutigen Naziwähler als "Protestwähler" bezeichnen, hätten die Naziwähler von 1933 wahrscheinlich auch so genannt. Doch kurze Zeit später taten diese "Protestwähler" mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung alles, was von ihnen erwartet wurde. Dass dies auch für die derzeitigen "Protestwähler" gelten würde, kann kaum bezweifelt werden.
3. Der Umgang der Medien mit den Nazis ist ähnlich katastrophal wie in den 90ern, anscheinend hat man wenig dazugelernt. Im einzelnen:
- Leuten, die eine Nazipartei gewählt haben, weil sie eine Nazipartei ist, zu erklären, dass die NPD eine Nazipartei ist, kann kein vielversprechendes Unterfangen sein (vgl. Sofa)
- Nazis ins Fernsehen einzuladen, um sie dann nicht zu Wort kommen zu lassen, erzeugt Solidarisierungseffekte, v.a. bei der zierlichen, unbeholfenen DVU-Spitzenkandidatin, die für diese Rolle von Frey durchaus geschickt ausgewählt worden war.
- Das Vorführen von Nazis als Idioten und Versager zieht nicht bei der Wählerschaft der Nazis, die fast durchgehend aus intellektfeindlichen Menschen besteht.
- Generell drängte sich mir beim Anschauen der ARD-Wahlsendung der Eindruck auf, dass die DVU-Spitzenkandidatin und der NPD-Vertreter den anwesenden Journalisten kommunikativ in dem Sinne überlegen waren, dass sie sogar aus der Aggressivität der Journalisten Kapital schlagen konnten: die DVU-Kandidatin durch ihre scheinbare Harmlosigkeit, der NPD-Kandidat dadurch, dass er meinte, Journalisten hätten ja generell eine schlechte Kinderstube - damit nutzte er die Tatsache, dass Journalisten in Deutschland ohnehin wenig angesehen sind. Danach war einige Momente lang Ruhe im Karton, in denen Apfel ungestört agieren konnte.
(vgl. Spiegel Online, demzufolge es im ZDF auch nicht besser lief.)
4. Wie kann man mit Nazis in der Öffentlichkeit besser umgehen? Dem Problem, dass Nazis ihre Wähler auf einer emotionalen Ebene weit besser erreichen als es ein Journalist auf der rationalen Ebene könnte, ist selbst mit noch so großem Geschick nicht zu entgehen. Deshalb sollte verhindert werden, dass sie sich artikulieren können, sei es auf der Straße, sei es in den Medien. Gerade bei autoritären Charakteren, die Nazis und ihre Wählerschaft fast immer sind, wirken Repression und harte Strafen. Übrig blieben Überzeugungstäter im Untergrund, mit denen in jedem Fall leichter umzugehen wäre als mit staatlich alimentierten Landtagsfraktionen.
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- „Von Verführung kann man eigentlich nicht reden, die Wähler der NPD, aber auch der DVU, stimmen nach unseren Forschungsergebnissen so ab, wie sie denken, d.h. die wählen nicht links, sondern rechts, weil ihre Einstellungen eben irgendwo am rechten Extrem dieserEinstellungsverteilung angesiedelt sind.“
- „Viele der NSDAP-Wähler, ähnlich wie die NPD-Wähler heute, waren entfremdet von der Mainstream-Politik, von der Politik der Weimarer Koalition damals, so wie die NPD-Wähler entfremdet sind von der Politik von CDU, SPD, FDP und den Grünen heute. Aber das heißt nicht, dass sie apolitisch sind, sondern sie sind mit der Form der Politik nicht einverstanden, die betrieben wird.“
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