|
Fragmente Eine Sammlung von Kurztexten, Ideen, Recherchen, Bruchstücken und Polemiken, die ich regelmäßig erweitere. Die neuesten Stücke füge ich oben ein. (letzte Änderung: 15.11.03)
Offene Theorie, geschlossene Anstalt Ein kurzer Besuch in der Welt des Noam Chomsky Unsere Jugend, unsere Polizei, unsere Presse Jürgen verlässt unseren Verein III Der Zusammenbruch IV
Jürgen verlässt unseren Verein II Jürgen verlässt unseren Verein
Blond und deutschEin Bruno Pischel veralbert in der Zeitschrift "Blond" (09/2003, S. 76) schriftliche Führerscheinprüfungen:
Es
gibt Menschen, denen man nichts Schlimmeres antun kann, als sie zu
zitieren. Zum Mitglied dieser Gruppe überqualifiziert hat sich einer,
der Michel Friedman, dessen Eltern Auschwitz-Birkenau überlebt haben,
"satirisch" zur Nazi-Sau macht, ganz gewiss.
Der Zusammenbruch VIII (VII, VI, V, IV, III, II, I)Robert Kurz hat mit den Antideutschen ein ähnliches Problem wie mit dem Kapitalismus: Gegen beide schreibt er mit Leidenschaft an, beider Untergang prognostiziert er eifrig, und beide sind immer noch da. Gerade noch hat er im Vorwort seines aktuellen Buches "Die antideutsche Ideologie" geschrieben:"Ich für meinen Teil bin nun mit den Antideutschen fertig." (S.11) Und schon geht es weiter, diesmal mit einem Text namens WOLPERTINGER IM YURASSIC PARK, dessen immerhin durchgehend falsch geschriebener Titel die Hoffnung transportiert, die Antideutschen mögen nun endlich aussterben. Diesmal bedenkt er auch meinen Text Zur Debatte um antideutsche Positionen, im folgenden antworte ich auf die halbwegs sachlichen Argumente von Kurz (Paraphrasierungen von Kurzens Text im folgenden kursiv): Ein anderer linker Journalist meinte kürzlich mal, auf Robert Kurzens Antideutschen-Bashing angesprochen, das mittlerweile mehr Fortsetzungen aufweist als "Jurassic Park": "Der Robert ist zu aufgeregt, dann macht er's nicht unter 350 Seiten." Die Prognose erscheint gefahrlos, dass Kurz, entgegen seiner Ankündigung, mit den Antideutschen nie fertig sein wird. Der Zusammenbruch VII (VI, V, IV, III, II, I)Mit seinem neuen Buch "Die antideutsche Ideologie" hat Robert Kurz die angeblich letzte publizistische Attacke ("Ich für meinen Teil bin nun mit den Antideutschen fertig", S.11) gegen die verhasste wertkritisch-antideutsche Konkurrenz von Bahamas und ISF geritten, mit der er sich auf über 300 Seiten vor allem beschäftigt. Am härtesten dürfte er jedoch den israelhassenden Teil seines Publikums getroffen haben - über dessen Anteil an Kurzens Leserschaft maße ich mir keine Schätzung an, immerhin war der einzige Fan seiner Bücher, den ich persönlich kenne, ein erbitterter Gegner jeder Israelsolidarität (Update: nach Kenntnisnahme von Kurzens aktueller Position zu Israel hat er nie ein Problem mit "Solidarität für Israel" gehabt). Im Kapitel "Der Staat Israel als metaphysischer Lückenbüßer" schreibt Kurz:Es wird eine Herausforderung für den Rezensierenden der Jungen Welt sein, diese Passagen im Buch ihres mittlerweile regelmäßigen Autoren entweder weiträumig zu umschiffen oder "solidarisch" zu kritisieren. Den Hausantizionisten der Jungen Welt - Werner Pirker, Rainer Rupp et al. - dürfte es nicht gefallen, von Kurz implizit des Antisemitismus bezichtigt worden zu sein (Punkt 1). Sollte sein Bekenntnis zu Israel auch praktische Konsequenzen jenseits der Textproduktion haben (was ich bis zum Beweis des Gegenteils eher nicht glaube), ist Robert Kurz viel Glück dabei zu wünschen, den Antizionismus in der Jungen Welt und auf der nächsten Friedensdemo zu bekämpfen. Er wird es brauchen. GhostwriterFelix Klopotek, Jungle World:"Lohnarbeit heißt, dass es Menschen gibt, die von Lohn abhängig sind, die Arbeit leisten müssen, um dafür Lohn zu kassieren. Diejenigen, die den Lohn zahlen, sind die Arbeitgeber, die ihrerseits nach Profit, nach Geldvermehrung streben. Daraus folgt, wie Peter Decker und Konrad Hecker in ihrem Buch »Das Proletariat« (2002) herausgearbeitet haben, dass Lohn eine negative Größe für die Arbeitgeber ist." Klopotek hat bei der Recherche ein wenig geschludert, deshalb sei nachgetragen, dass Decker und Hecker bereits im Jahr 1865 unter dem Pseudonym "Karl Marx" auf diesen Sachverhalt hingewiesen haben: "Da Kapitalist und Arbeiter nur diesen begrenzten Wert zu teilen haben, das heisst den durch die Gesamtarbeit des Arbeiters gemessenen Wert, so erhält der eine desto mehr, je weniger dem anderen zufällt, und umgekehrt. Sobald ein Quantum gegeben ist, wird der eine Teil davon zunehmen, wie, umgekehrt, der andere abnimmt. Wenn der Arbeitslohn sich ändert, wird der Profit sich in entgegengesetzte Richtung ändern. Wenn der Arbeitslohn fällt, so steigt der Profit; und wenn der Arbeitslohn steigt, so fällt der Profit." (Lohn, Preis und Profit) Aber wer braucht schon Marx, wenn er Decker, Hecker und den Gegenstandpunkt hat. Ein StatistikfanDer Journalist Burkhard Schröder möchte in einem fast rührenden Leserbrief andeuten, dass seine Homepage von mehr Menschen gelesen wird und wichtiger ist als die Zeitschrift Konkret."Im Gegensatz zur Website burks.de, die nur auf cirka eine Million Hits alias knapp 40.000 Leser pro Monat kommt..." Was sind "Hits"? "Any request made to the server which is logged, is considered a 'hit'. The requests can be for anything... html pages, graphic images, audio files, cgi scripts, etc... Each valid line in the server log is counted as a hit. This number represents the total number of requests that were made to the server during the specified report period." (Webalizer Help) Also werden pro Monat von Schröders Webpage 1.000.000 Dateien von anderen Rechnern angefragt. Diese Zahl klingt bombastisch, entscheidend ist jedoch, wieviele Dateien mit jeder heruntergeladenen Seite verknüpft sind. Jedes Foto eines Nackedeis von Schröders Webpage, das User auf ihren Rechner laden, entspricht einem Hit, hinzukommen Stylesheets, Skripte, etc. Mit "40.000 Leser pro Monat" meint Schröder die Zahl der Besuche (visits). Was sind "visits"? "Whenever a request is made to the server from a given IP address (site), the amount of time since a previous request by the address is calculated (if any). If the time difference is greater than a pre-configured 'visit timeout' value (or has never made a request before), it is considered a 'new visit', and this total is incremented (both for the site, and the IP address). The default timeout value is 30 minutes (can be changed), so if a user visits your site at 1:00 in the afternoon, and then returns at 3:00, two visits would be registered." (Webalizer Help) Das heißt, Schröder hat keine Möglichkeit festzustellen, wieviele der 40.000 monatlichen Besuche auf seiner Webpage von wiederkehrenden Besuchern stammen. Würde der durchschnittliche Besucher auf www.burks.de zweimal pro Monat vorbeischauen, schrumpfte die Zahl der unterschiedlichen Besucher schon auf 20.000 zusammen (die verkaufte Auflage von Konkret liegt meines Wissens bei über 30.000). Unter "visits" fallen auch alle, die durch eine Suchmaschine zufällig auf seine Seite geraten sind und sofort wieder kehrtgemacht haben, was erfahrungsgemäß einen hohen Anteil ausmacht. Die durchschnittliche Verweildauer auf Burkhard Schröders Webpage dürfte nur einen Bruchteil der Zeit ausmachen, die Konkret-Leser mit ihrer Zeitschrift verbringen. Hinzu kommt, dass Zeitschriften häufig nicht nicht nur vom Käufer, sondern auch von anderen Haushaltsmitgliedern gelesen werden, was für Webseiten meist nicht gilt. Er hat nicht nur die dickste Nazilinksammlung im Internet, sondern auch ein leicht inflationiertes Ego, und vielleicht liest er sich bei Gelegenheit auch mal die Gebrauchsanleitung seines Webalizers durch. Linke und HyperlinksImmer mal wieder entbrennt ein Streit darüber, zu wem man als Linker im Internet Hyperlinks setzen sollte und zu wem nicht. Meine Verhältnis hierzu ist folgendes:
Offene Theorie, geschlossene AnstaltDas Online-Projekt Open Theory, bei dem u.a. auch die Krisis-Gruppe eine eigene Abteilung unterhält, definiert sich folgendermaßen: (1) "Offene Theorie - open theory, kurz ot, ist der
Versuch, das Modell freier Softwareentwicklung auf die Entwicklung von
Theorie zu übertragen. Uns interessiert in diesem Zusammenhang die Art
und Weise der Entwicklung von freier Software [...]. Wir wollen ihre
Methode für die Entwicklung von Theorien für ein freies Leben nutzen.
Dabei geht es uns um: Obwohl all diese Probleme durch Selbstmord sehr einfach zu lösen wären, existiert dort eine große Zahl von Subprojekten, in denen anscheinend völlig zensurfrei alles bis zum Faschismus propagiert werden darf, wenn es nur irre genug klingt, etwa im "Projekt" Phase 4: (3.3.1.3.1) Re: Ja, Arier!!,
11.06.2003, 16:23, Jörg Schneider: Indem alle Menschen saugen wird
Gottes Wille und die Ain Soph entspringende kosmische Ordnung
erfüllt.Indem der freie Ressourcenzugang hergestellt ist,wird der
(Welt)-Arier geschaffen.Die Widersprüche werden aufgelöst, dadurch das
alle Menschen saugen. Arier ist wer sich als solcher verhält. Der Glaube (existenzielle Ausrichtung und Entscheidung) ist entscheidend und nicht irgendeine "biologische Abstammung".Die Nazis waren nicht entschieden genug. Siehe auch unten: Zerstörung der Familie.Die Weltfaschisten sind die einzigen die konsequent antivölkisch sind!" Opentheory.org wird übrigens von der Krisis-Gruppe ausdrücklich empfohlen: "All jenen, die an inhaltlichen Diskussionen interessiert sind, schlagen wir vor, sich an Open-Theory (ot) -Projekten bzw. Diskussionen zu beteiligen." (Norbert Trenkle) Man ist ja offen und tolerant, so lange niemand was Antideutsches schreibt.
Ein kurzer Besuch in der Welt des Noam ChomskyAntwort Chomskys auf die Aufforderung durch Alan Dershowitz "zu einer öffentlichen Diskussion darüber [...], ob es antisemitisch oder antijüdisch sei, den Holocaust in Abrede zu stellen", nachdem Chomsky eine Petition zugunsten des Holocaustleugners Robert Faurisson unterstützt hatte: "Es ist so offenkundig, daß eine Debatte sinnlos ist, denn niemand glaubt, daß es eine antisemitische Konnotation zur Leugnung des Holocaust gibt." (zit. nach: Alan Dershowitz, Chuzpe, S. 238, engl. Original des Zitats) Zeit, wieder zu gehen. (Text der Petition: "Dr. Robert
Faurisson has served as a respected professor of twentieth-century
French literature and document criticism for over four years at the
University of Lyon-2 in France. Since 1974 he has been
conducting extensive historical research into the
"Holocaust" question.
Opfer der UmständeUlrich Enderwitz, "Antisemitismus und Volksstaat", S. IIf.: "Dabei kann die Ungeheuerlichkeit, daß eine bloß symbolische Aktion praktisch mit allgemeiner Duldung beziehungsweise Zustimmung in der Ermordung von Millionen Menschen resultieren, daß ein rein symptomatisches Verhalten, ohne groß auf Protest oder Widerstand zu stoßen, die Gestalt eines ebenso bürokratisch geordneten wie viehisch ausgetüftelten Massenmordes annehmen kann, als Indiz dafür gelten, wie sehr das pathologisch handelnde Subjekt, das am Ersatzobjekt seinen Widerspruch abreagierende faschistische Staatskonstrukt, dem Dafürhalten und Wollen der einzelnen entzogen ist, wie sehr es sich zu einer ohne Rückbezug auf die empirischen Staatsbürger, ohne Rückkoppelung an individuelle Urteils- und Meinungsbildungsprozesse prozedierenden und nurmehr seiner eigenen Irrenlogik verpflichteten Herrschaftsautomaten verselbständigt hat. Daß der faschistische Staat seinen Ersatzhandlungsgelüsten, ungeachtet ihrer empirischen Folgenschwere, so freien Lauf lassen, daß er seine Symptome ohne Rücksicht auf ihre massenmörderischen Konsequenzen ausagieren kann, ist nicht nur Beweis für seine zutiefst pathologische Verfassung, es ist zugleich Ausdruck der Selbstverständlichkeit, Unanfechtbarkeit und Unhinterfragbarkeit, mit der er auch noch in seinen scheinbar oder tatsächlich irrationalsten Äußerungsformen, seinen scheinbar oder tatsächlich wilkürlichsten Resolutionen dem Staatsbürgervolk entgegentritt. Er ist die objektive Macht, der die von ihr Beherrschten, die Staatsbürger, ebenso willen- wie besinnungslos ausgeliefert sind und der sie bis nach Stalingrad, bis in die KZ-Wachmannschaften, bis in die Luftschutzkeller, bis in den Volkssturm, bis in den Kadavergehorsam der verbrannten Erde Folge leisten müssen." [Hervorhebungen VR] Übersetzung: Ich spare mir hier eine Widerlegung dieses exkulpatorischen Quarks, der Robert Kurz wie einen Waisenknaben erscheinen lässt. Wer etwas richtiges über den Holocaust erfahren will, dem seien zum Einstieg Hitlers willige Vollstrecker von Daniel Goldhagen und "Die dunkle Seite der Geschichte" von Yehuda Bauer empfohlen sowie "Das Schwarzbuch - der Genozid an den sowjetischen Juden" von Wassili Grosman und Ilja Ehrenburg. Von marxistischen "Erklärungen", seien sie ökonomistisch, staatsableitend oder wertkritisch, ist in der Regel nach wie vor abzuraten.
Globalisierung des Wahns
Unsere Jugend,unsere Polizei, unsere PresseTrierischer Volksfreund vom 26./27.7.03:Schmierfinke gefasst Hakenkreuze und SS-Runen am jüdischen Friedhof Freudenburg. (red) Die Hakenkreuzschmierereien in unmittelbarer Nähe des Haupteinganges zum jüdischen Friedhof in Freudenburg sind aufgeklärt. Wie die Polizei gestern weiter mitteilte, stehen ein 16-jähriges Mädchen sowie ein 15-jähriger Junge im Verdacht, am vergangenen Wochenende das Holzgeländer des Fußweges zum Friedhof mit mehreren Hakenkreuzen, SS-Runen und einem Keltenkreuz beschmiert zu haben. Daneben wird den beiden vorgeworfen, an drei Grabsteinen antisemitische Parolen angebracht zu haben. Beide Tatverdächtige haben in den polizeilichen Vernehmung ihre Taten gestanden. Eine politische Motivation liege nach bisherigen Erkenntnissen nicht vor. (Hervorhebungen VR) Ohne Worte III(II, I)
(Werbung auf Google)
Der Zusammenbruch VI (V, IV, III, II, I)Nachdem der Wiener "Wertkritiker" Franz Schandl Antideutsche als radioaktiven Abfall bezeichnet hatte, stellte sich die Frage, ob sein Nürnberger Kollege Robert Kurz dessen sprachliche Enthemmung noch würde toppen können. Kurz ließ sich nicht lange bitten und legte ein gleich 39-seitiges Pamphlet vor - der Höhepunkt: "Als Protagonist einer Redeweise, die das verbale Schamgefühl der Cruise-Missile-Intelligentsia sowie ihrer Freunde, Diskurstechniker und sonstigen Helfer verletzt hat, muß ich meine Entschuldigung aussprechen, wie es sich gehört unter anständigen westlichen Bürgern mit einwandfreien aufgeklärten Umgangsformen und Respekt voreinander. Ich entschuldige mich also hiermit in aller Form bei sämtlichen Seuchen und Tierarten, die ich in der unkontrollierten Emotionalität des Augenblicks mit dem antideutschen Bellizismus (nicht mit den von dieser Ideologie fehlgeleiteten Menschen) verglichen habe." Ob Franz Schandl das wird überbieten können? Ein Vorschlag: Schandl könnte sich bei dem radioaktiven Abfall entschuldigen, dem es nicht gefallen haben kann, mit Antideutschen verglichen worden zu sein. Und dann ist Kurz wieder dran.
Remember Kosovo?Bei all dem derzeitigen Geschrei der deutschen Presse um das Chaos und Anarchie im Irak, das die USA angerichtet hätten, lohnt es sich, einen Blick auf die aktuelle, von den Europäern maßgeblich mitverschuldete Lage im Kosovo zu werfen: "NACHKRIEGSORDNUNG IM KOSOVO "Sie trauen sich kaum aus den Häusern" Vier Jahre nach dem Einmarsch der Nato-Truppen ist das Kosovo ein zukunftsloses Land. Der Hass zwischen Serben und Albanern wird nur mühsam unterdrückt, die Wirtschaft liegt am Boden und die ungeklärte Statusfrage verhindert Investitionen. Für die Uno zeigt sich, wie schwierig der Wiederaufbau nach einem Krieg ist. [...] Die internationale Schutztruppe hat mit ihren 25.000 Soldaten und 6000 Polizisten die Sicherheitslage im Griff. [...] Offiziell sind mehr als 60 Prozent der Bevölkerung ohne Beschäftigung. Wer einen Job als Übersetzer, Fahrer oder einfacher Handlanger bei den internationalen Institutionen gefunden hat, ist glücklich. Alle anderen warten auf einen Hauch von wirtschaftlichem Aufschwung, der aber ist kaum in Sicht. Industrie gab es auch vor dem Krieg nur wenig, und kaum einer der Landwirte kann sich noch Hilfskräfte leisten. [...] Kosovo lebt am Tropf der Staatengemeinschaft. Vergangene Woche lieferte Uschi Eid, Staatssekretärin für Entwicklungspolitik, weitere 18,7 Millionen Euro Anschubhilfe für Jugendprojekte und Kredite für Kleinunternehmer dort ab. Milliarden haben die Uno, die EU und Hilfsorganisationen bereits in das Land gepumpt - ohne große Wirkung. "Es bleibt eine Bubblegum-Wirtschaft", sagt Steiner, "von außen kommt Geld, das verbraucht wird, doch es entwickelt sich nichts Selbstständiges". [...] Immer noch ist der Graben zwischen den albanischen 90 Prozent der Bevölkerung und der serbischen Minderheit tief. Serben und Albaner leben fein säuberlich getrennt voneinander. "Die Militärpräsenz wird noch Jahre bitter nötig sein", sonst brechen die alten Feindschaften schnell wieder auf", sagt Steiner. [...] In Pristina leben fast keine Serben mehr. Und in den wenigen gemischten Ortschaften auf dem Land erinnern die vergitterten Fenster der serbischen Häuser an die blutige Rache der Albaner für die ethnischen Säuberungen. Noch immer gibt es Steinwürfe in der Nacht. "Viele der Serben führen seit Jahren ein Schattendasein", sagt der Stuttgarter Polizist Berndt Schuhmann, der in Lipijan südlich von Pristina einer von der Unmik geleiteten Polizeiwache vorsteht, "sie trauen sich kaum aus ihren Häusern.""(Spiegel Online)
Der Zusammenbruch V (IV, III, II, I)Es kam, wie es kommen musste, und nun ist es da: viel Lob für Robert Kurz und auch ein wenig Kritik von der NPD-Monatszeitung "Deutsche Stimme" für seinen mutigen Kampf gegen die vaterlandslosen Antideutschen. Das Lob:
"Einer der stimmgewaltigsten innerlinken Kritiker dieser
Heiligsprechung des Judäo-Amerikanismus ist Robert Kurz. Dieser ist
freier Publizist, Mitherausgeber der linkssozialistischen
Theoriezeitschrift »Krisis« und hat u.a. das lesenswerte
»Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft« verfaßt.
Die Entsorgung jeder ernsthaften Kritik des Imperialismus und
Kapitalismus –Resultat einer "antideutschen negativen Idealwelt« und
der "Restbestände der linksbürgerlichen Aufklärungsideologie«– treibt
Kurz die Zornesröte ins Gesicht. In dem weitausholenden
"Krisis«-Beitrag "Das Spiel ist aus" bringt er seine
Geschütze gegen die Antideutschen in Stellung und feuert aus allen
Rohren: Die Kritik: "Auch Robert Kurz, dessen wuchtige Verbalattacken gegen antideutsche Seelenkrüppel man natürlich mit Sympathie begleitet, ist erbitterter Gegner jedes Nationalismus. Nicht etwa ein deutsches Bekenntnis läßt ihn zu einem Gegner der Antideutschen werden, sondern “abgesehen von der Kritik an ihrem eingeschläferten Antikapitalismus – die Sorge um die Politikfähigkeit der extremen BRD-Linken." Robert Kurz ist - natürlich - keiner der ihren, und doch ist er ihnen von Nutzen. Aber als was eigentlich? Vielleicht als unaufgeklärter sekundärer Dorfdepp des Warenfetischs? Nein, das wäre dann doch zu
unwahrscheinlich.
Des Muftis NeffeOb der Großmufti von Jerusalem und Nazikollaborateur Hadj Amin El Husseini, Auschwitz besucht hat, ist nicht völlig gesichert - belegt jedoch ist die Visite seines Enkels, Dr. Mussa Abdalla el Husseini, der das Lager 1944 besuchte und dabei mindestens eines der Krematorien inspizierte. Shaul Chasan, Mitglied des jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz, erinnert sich: "Eines Tages kam der Mufti [gemeint ist Mussa Abdalla el Husseini, VR], er war direkt neben mir. Der Kapo meinte, das sei der Mufti. Es war im August 1944. Er hatte so einen merkwürdigen Hut. Er kam, um die Verbrennungen anzuschauen. Vielleicht hatte er die Absicht, in Eretz Israel etwas Ähnliches durchzuführen. Die Deutschen erklärten, wie die Ermordung im Krematorium funktionierte. Man hatte ihn in eine deutsche Uniform gesteckt, nur der Hut war sein eigener. Ich sah ihn draußen, vor dem Gebäude, wir waren gerade mit dem Zerstoßen der Knochen beschäftigt. Der Kapo arbeitete im Krematorium. Ich weiß nicht, wie es ihm entfahren konnte, zu sagen, das sei der Mufti." (Gideon Greif, Wir weinten tränenlos, S. 318) Dr. Mussa Abdalla el Husseini zeichnete später für die Ermordung des jordanischen Königs Abdallah verantwortlich, wofür er in Amman gehängt wurde (vgl. ebda., S. 382).
Eine KontroverseMatthias Küntzel und Hermann L. Gremliza liegen im Clinch. Gremliza wirft Küntzel vor, Zitate zu fälschen und letztlich den Anschluss ans "teure Vaterland" zu suchen. Küntzel entgegnet Gremliza, sein Vorwurf sei verleumderisch: "Gremliza geriete in Schweiß, wollte er auch nur ein Spurenelement dieser Andeutungen in Küntzels Texten verifizieren." (unveröffentlichter Leserbrief) Ohne mich auf einer Seite platzieren zu wollen (für Flügelkämpfe ist die antideutsche Linke zu klein), habe ich, ganz schweißlos, ein "Spurenelement dieser Andeutungen in Küntzels Texten" verifiziert (es erschien freilich erst nach Gremlizas Vorwurf): "Immerhin haben Washington und London damit begonnen, die antisemitischen Netzwerke Bin Ladens zu zerstören, was von der Berliner Politik, die besonders deshalb zu kritisieren ist, kaum behauptet werden kann." (Das Fanal) Damit ist Küntzel vermutlich der erste Antideutsche, der einen Kriegseinsatz der Bundeswehr gefordert hat. Ich mag ja falsch liegen, aber "Antideutsch" hieß für mich immer, die Abschaffung Deutschlands mitsamt Bundeswehr zu forden, nicht deutsche Soldaten in Kriegseinsätze gegen wen-auch-immer zu schicken. Wie naiv.
Jürgen verlässt unseren Verein III (II, I)2000 Jürgen Elsässer fordert die Abschaffung Deutschlands: “Elsässer erkannte die eigentliche Katastrophe in der Wiedervereinigung, die das ‘Schlechte von Ost und West’ zusammengebracht habe. Viel Beifall fand seine witzige Forderung, Polen solle an Frankreich grenzen." (Bericht der “Berliner Zeitung” über eine Podiumsdiskussion, 2000) 2003 Jürgen Elsässer zerbricht sich den Kopf der deutschen Regierung: "Ein
konsequenter Bruch mit den USA würde die Chance für eine
Entspannungspolitik in Europa eröffnen. Eine stabile Freundschaft mit
Paris und Moskau ist die beste Vorkehrung gegen einen neuen deutschen
Sonderweg." (Der deutsche Sonderweg, S. 10)
Ohne Worte II (I)(NPD-Demo gegen den Irak-Krieg in Hanau, 29.3.2003)
Der Zusammenbruch IV (III, II, I)Dort, wo "objektive", überpersönliche
Tendenzen am heftigsten beschworen werden, schlägt das Persönliche,
Subjektive bisweilen umso unbarmherziger zurück. Die letzten Pamphlete
des Krisentheoretikers Robert Kurz wirken, als hätte der Autor derzeit
schwer mit Mordfantasien zu kämpfen. Nachdem er viele Jahre in der
Wochenzeitung Jungle
World und der Monatszeitschrift Konkret publiziert hat,
fordert er nun einen radikalen Schnitt, eine Trennung von allen "Softcore-,
Halb- und Viertel-Bellizisten" inclusive einer Neuordnung der
linken publizistischen Landschaft. Seine Bemühungen um eine "wirklich"
radikale Kritik der Verhältnisse - die natürlich "wertkritisch" zu sein
hat - sind außerhalb des Milieues bürgerlicher "Zeit"-Leser offenbar
nicht allzu erfolgreich gewesen, sonst würde Kurz jetzt verbal nicht so
wild um sich schlagen. Sein Hauptgegner scheinen derzeit die
Antideutschen zu sein, die er mittlerweile für restlos
kriegstreiberisch und prokapitalistisch hält. "Die Welt wird unter den eigenen deutschen Mief subsumiert, und so stellen sich ihnen die Millionen von Antikriegs- und Antiglobalisierungs-Demonstranten in New York und Washington (unter Beteiligung jüdischer Organisationen), in London und Madrid genauso wie die in Berlin als lauter identische Manifestationen desselben faschistisch-antisemitischen "deutschen" Bewußtseins dar. Ein klarer Fall von klinischem Verfolgungswahn [Hervorhebung VR]." In Sachen Paranoia hat jedoch auch Kurz einiges zu bieten: "Wenn diese Ansammlung von
bellizistisch kontaminierten Dampfplauderern linksbürgerlichen
Krisenbewußtseins etwas eint, dann ist es die rückwärtsgewandte
Perspektive, denn die Geschichte ist für sie im Jahr 1945 zum
Stillstand gekommen. Ausgerechnet diejenigen, die von einer positiven
"kapitalistischen Zivilisation" faseln, die es nie gegeben hat,
ausgerechnet diejenigen, deren Kapitalismusanalyse auf dem Niveau des
Ersten Weltkriegs sitzen geblieben ist und die den Begriff des
transnationalen Kapitals in Anführungszeichen setzen, um ihre eigene
Ignoranz zu dokumentieren, ausgerechnet diejenigen, die an der
kapitalistischen Subjektform ideologisch kleben wie die Fliege am Leim
und die keinen Unterschied kennen wollen zwischen der Marxschen Theorie
der Überakkumulation und der politischen Ökonomie des Antisemitismus, um ihre denunziatorische
Giftspritze beliebig gegen unliebsame krisentheoretische Reflexionen
richten zu können [Hervorhebung VR] – ausgerechnet diese
Leute besitzen die Dummdreistigkeit, über die sozialen Bewegungen zu
Gericht sitzen zu wollen." Denn sie sind auch hinter ihm her. Und sie sind sehr mächtig: "Die
antideutschen Bellizisten und ihre nützlichen Idioten sind nicht die
wahren Gegner dieser [nationalistischen, völkisch-antisemitischen, VR]
Tendenzen, sondern im Gegenteil ihre Helfershelfer. Sie kämpfen nicht
um, sondern gegen die Bewegungen als solche, weil diese nicht nach der
Pfeife der proimperialen "linken" Killer-Intelligentsia tanzen; sie
unterstellen die unmittelbare Identität der Massen von kriegs- und
globalisierungsgegnerischen Jugendlichen mit den neofaschistischen und
völkisch-"antiimperialistischen" Trittbrettfahrern; sie betreiben eine
destruktive Politik der
self-fulfilling-prophecy, um die unliebsamen
Massendemonstrationen mit allen Mitteln gerade so zu identifizieren,
wie man sie unbedingt haben will, um sie insgesamt als
völkisch-antisemitische Erweckungsbewegung denunzieren zu können und
die antideutsch zu gängelnde Schafherde der linken Szene von
produktiv-kritischer Einmischung abzuhalten." [Hervorhebung VR] Offenbar hat Kurz für sich selbst entschieden, dass die linke Variante des völkischen Antisemitismus für ihn gegenüber dem linken "Bellizismus" das kleinere Übel ist, denn sein Text "Das Spiel ist aus" erschien als Mehrteiler in derselben Zeitung, in der ein linker Antisemit wie Werner Pirker (den auch Nazis schätzen: http://die-kommenden.net/dk/wochen/02/mai_25_31.htm#10 ) die Kommentare zum Nahen Osten schreiben darf. In seinem "Schwarzbuch Kapitalismus gab sich Kurz vor einigen Jahren redlich Mühe, einem deutsch-bürgerlichen Publikum zu gefallen: Das Wörtchen "totalitär" wurde inflationär verwendet, passend dazu die Sowjetunion unter die "Dikaturen des 20. Jahrhunderts" (z.B. S. 445) subsumiert, Auschwitz war halt eine Erscheinungsform der "Zweiten industriellen Revolution". Aber nicht nur paranoid sind eben immer die anderen, sondern auch opportunistisch - und Robert Kurz ist halt so überwältigend radikal, dass selbst die bürgerliche Wochenzeitung "Die Zeit" gezwungen war, das "Schwarzbuch" als "wichtigste Veröffentlichung der letzten zehn Jahre in Deutschland" zu feiern. Die Geschichtsphilosophen und IsraelDie Initiative Sozialistisches Forum gehört zu den wichtigsten Kritikern der deutschen Verhältnisse, und sie hat früh und konsequent die deutsche Palästinasolidarität kritisiert. Bei allem Richtigen bemerkt man leider noch die Wirkung eines älteren Marxismus-Leninismus - etwa dort, wo man die Israelis auf eine welthistorische Mission schickt: "Nun soll gewiß nicht behauptet werden, Ariel Scharon sei der Lenin von Israel, aber die israelische Staatlichkeit speist sich, historisch wie strukturell, aus ihrem Wesen als parlamentarisch verfaßte und im Staat zusammengefaßte Emanzipationsgewalt. Es ist also nicht möglich, zwischen Herrschaft und Herrschaftsausübung in der Weise zu trennen, wie man es gemeinhin macht, wenn man sich fragt, ob der Schröder oder der Stoiber das Gemeinwesen besser verwalten werden. Vielmehr bekundet, wer in dieser Weise trennt, nicht nur sein Unverständnis für die Staatlichkeit der Juden, sondern auch einen mindest diskreten Antizionismus, etwa nach Art der diesjährigen Ostermärsche, die es duldeten, daß palästinensische Nationalwimpel mitgeführt wurden, oder nach Art der famosen Tute bianche, die zum Boykott israelischer Waren aufrufen, oder nach Art der eitel militanten operaistischen Gruppe Wildcat, die wirklich glaubt, Israel einer „Klassenanalyse“ unterwerfen zu können – all dies Gewese verdrängt, daß Ariel Scharon, natürlich ohne es zu wollen, näher dran ist am Kommunismus als seine Kritiker, daß er, auf seine, ihm als General einzig mögliche Weise, den antifaschistischen Kampf führt als eine Art israelische Ausgabe von Buonaventura Durruti. Denn der Kommunismus, die staaten- und klassenlose Weltgesellschaft, verlangt, soll er gelingen, etwas Unmögliches: Rache für die Toten, für die Opfer der Barbarei; zugleich aber auch, daß niemand anders behandelt werde als nach seinem eigenen Maß: Gerechtigkeit für die Lebenden. Nur so ist der Kommunismus möglich als die gesellschaftlich bewahrheitete Maxime „Jedem nach seinem Bedürfnis, jeder nach seinen Fähigkeiten. In dieser Perspektive ist Israel der bewaffnete Versuch der Juden, den Kommunismus lebend zu erreichen." (Der Kommunismus und Israel) Also streben die Israelis den Kommunismus an, nicht bewusst, sondern lediglich "objektiv", ohne es zu wollen. In ähnlicher Diktion hatte die der ISF nahestehende Zeitschrift Bahamas bereits die USA als Erfüllungsgehilfen des Kommunismus gesehen: "Die Beseitigung islamischer Herrschaft würde die Bevölkerungen dieser Länder dem moslemischen Götzendienst entreißen, um sie, mit allen brutalen Konsequenzen, dem kapitalistischen Warenfetisch direkt zu unterwerfen; sie würde einerseits die realen Bedingungen von Antisemitismus und Islamismus unangetastet lassen und die vom Wahn Besessenen aufgrund der nicht zu erwartenden Linderung des Elends möglicherweise in ihren barbarischen Intentionen bestärken. Andererseits könnte die militärische Bezwingung des Islamismus den Blick von islamischer Elendsverklärung, Selbstkasteiung und Mordlust fort auf die von der kapitalistischen Vergesellschaftung hervorgebrachten materiellen Potentiale lenken und den Wunsch nach kommunistischer Aneignung aufkeimen lassen." (Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder!) Unter den Bedingungen einer derzeit alternativlosen kapitalistischen Hegemonie bleibt Linken meist entweder der Weg in die Realpolitik, ins Privatleben oder das Festhalten an Geschichtsphilosophie. Da die ISF Realpolitik ablehnt, werden die Israelis und die USA auf eine Mission geschickt, bei der am Ende der Kommunismus herauskommen soll, denn man ahnt wahrscheinlich, dass deutsche Linke für Israel nur dann zu begeistern sein dürften, wenn man irgendeine Verbindung mit originär linken Träumen herstellen kann. Israel ist nicht "der bewaffnete Versuch der Juden, den Kommunismus lebend zu erreichen." Israel ist ein Projekt, in dem es um jüdisches Überleben geht, nicht um die Abschaffung von Ware, Geld und Lohnarbeit. Teil der deutschen Zustände ist, dass die ISF - wohl zu Recht - glaubt, mit dem Kommunismus wedeln zu müssen, um deutsche Linke zur Israelsolidarität zu bewegen. Zu befürchten ist, dass der gutgemeinte Schwindel irgendwann auffliegt und nicht dann allzuviel von der aktuellen Israelsolidarität übrigbleibt - außer vielleicht einer Anzahl traditionellerer Antifaschisten, die solche Begründungen noch nie gebraucht haben. (Debatte zum Fragment auf X-Berg)
Bei Krieg kein ÖlDie - nicht völlig falsche, aber verkürzte - Vorstellung, es gehe den USA beim bevorstehenden Krieg gegen den Irak um "Öl" ist in der Friedensbewegung Konsens. "Friedensbeweger" (Scholl-Latour) reden bei aller Leidenschaft für ökonomistisches Denken nur sehr ungern über die Interessen der Gegner einer US-Intervention an dieser Region - dieses hat altruistisch zu sein, deshalb wird nicht weiter nachgefragt. Dabei ließe sich eine ähnlich verkürzte Argumentation auch mit den Anhängern des deutsch-französischen Vorschlags einer Besetzung des Iraks durch Blauhelm-Soldaten - Russland und China - durchführen: "Hauptsächlich russische Firmen wie Lukoil und Zarubezhneft sowie die französische Total-Fina-Elf stehen in den Startlöchern für die Zeit nach Aufhebung der Sanktionen. Mit im Rennen sind auch die chinesische CNPC oder die indische ONGC. (Handelsblatt, 18.11.2002 und 4.11.2002) Sie alle haben milliardenschwere Vorverträge mit dem Irak gemacht. Die Angst ist, ob ihre Verträge, die sie in der Zeit Saddam Husseins unterschrieben haben, bestehen bleiben. Diese Angst ist berechtigt: Vertreter des "Iraqi National Congress", quasi der Dachverband der irakischen Opposition, sagten in o.g. Monitor-Sendung ganz unverblümt: 'Wenn es dazu kommt, dass nur die Vereinigten Staaten und Großbritannien als einzige uns dabei helfen werden, das Land zu befreien und Saddam Hussein und sein Regime loszuwerden, dann wird eine Übergangsregierung gewiss mit großem Wohlwollen auf diese beiden Länder schauen.'" (Rüdiger Sagel) Dies soll keine Aufmunterung für Slogans wie "Kein Frieden für Öl" oder ähnliche Albernheiten sein, die gegenüber "Kein Blut für Öl" jedoch immerhin den Vorteil hätten, nicht nationalsozialistisch vorbelastet zu sein. Das unreflektierte Bedürfnis zahlreicher antiimperialistischer Linker, sich als als alternativer Außenminister aufzuführen und sich den Kopf der Bundesregierung zu machen (Werner Pirker: "Deshalb besteht für die deutsche Außenpolitik auch keinerlei Grund, Angst vor der eigenen Courage zu bekommen.") ist eine Bestätigung der antideutschen Prognose, man werde noch viele Genossen in dem Maße an das Vaterland verlieren, in dem seine internationale Macht wächst. Leider sind die Perspektiven für radikale Gegner gerade auch der deutschen Variante der bürgerlichen Gesellschaft trostlos wie stets, und deutsche Regierungen bleiben auch dann der Feind, wenn es die Grünen doch noch schaffen, eins ihrer alten Ziele zu verwirklichen: die NATO aufzulösen
Jürgen verlässt unseren Verein II (I)Der Ex-Antideutsche Jürgen Elsässer behandelt in konkret 11/2002 Däubler-Gmelins Bush-Hitler-Vergleich: "Däubler-Gmelin aber mußte gehen, weil sie der Realität zu nahe gekommen ist: Bei Bush wie bei Hitler ist der Krieg nicht nur ein Ablenkungsmanöver von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen, sondern die einzige Lösungsmöglichkeit einer säkularen Krise." (S. 13) Hierzu ist, abgesehen von der schon öffentlich thematisierten Infamie des Vergleiches, einiges zu sagen: Eine Vorstellung wie "Hitler führte Krieg" (meine Paraphrasierung Elsässers) dürfte sich jemand wie Elsässer, der ja durchaus mal etwas von der marxistischen Kritik eines solchen personalisierten Denkens ("Geschichte wird von großen Männern gemacht") gehört hat, nicht durchgehen lassen. Nur kurz sei erwähnt, dass es geheime Rüstungsprogramme der Wehrmacht schon seit den 20er Jahren gab: "Die Logistik des künftigen Krieges, einschließlich der Angriffsplanungen im Westen und Osten, lag bereits ausgearbeitet in den Schubladen." (Jochen Baumann) Gleichzeitig bemüht er ein deterministisch-ökonomistisches Denken, in dem Entwicklungen zwangsläufig bzw. die "Politik" der "Ökonomie" völlig untergeordnet erscheint: Bekannte Gassenhauer sind "Hitler als Büttel des Großkapitals", "Kapitalismus bedeutet Krieg", "Imperialismus als letztes und höchstes Stadium des Kapitalismus", und bei Elsässer eben: Krieg als "einzige Lösungsmöglichkeit einer säkularen Krise"). Wer so schreibt wie Elsässer hier, erklärt - vermutlich ohne es zu wollen - Hitler mitsamt den Deutschen en passant zu Opfern der Umstände, nämlich der ökonomischen Verhältnisse. Elsässer weiß an sich und schreibt es auch im selben Artikel, dass spätestens seit 1935 die Kriegsvorbereitungen auf Hochtouren liefen und bewusst ein ruinöses deficit-spending betrieben wurde, um Krieg zu ermöglichen. Mit einigem Bewusstsein brachten sich die Nationalsozialisten in eine Lage, in der ein Krieg unausweichlich wurde, der ohnehin gewollt war. Was bei Elsässers Text offensichtlich wird ist, dass eine antideutsche Position, die den Tätern die volle Verantwortung für ihr Handeln zuweist, sich auf Dauer schlecht mit deterministischen Weltbildern wie dem der ökonomistischen "Neanderthal-Marxisten" (Terry Eagleton) verträgt. Insofern erscheint Elsässers Aufgabe der antideutschen Position folgerichtig, auch wenn sie keineswegs zwangsläufig war - diese Dinge scheinen oft nur so, das dafür aber um so heftiger.
Der irakische SozialismusMarc Weisser von der "Aktion 3. Welt Saar" ist hoch anzurechnen, dass er es ausgehalten hat, sich mit Rainer Rupp an einen Tisch zu setzen und ein Interview zu führen. Dabei erfuhr man u.a. folgendes: "Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass Saddam Hussein ein solch brutaler Mensch ist, als der er immer hingestellt wird. Das wäre mir bei meiner Delegationsreise wohl aufgefallen." Es wird die Angehörigen der durch Giftgasangriffe ermordeten Kurden im Nordirak sicher beruhigen zu hören, dass die Ursache für die Vernichtung von 4.000 kurdischen Dörfern nicht in der Persönlichkeit Saddam Husseins zu finden ist. Und Husseins Antisemitismus ist für Rupp vermutlich schon aus Gründen der Solidarität kein Thema, über das er öffentlich ein Wort verlieren würde. Etwas später: "Schließlich ist der Irak seinem Anspruch nach ein sozialistischer, säkularer Staat." Nicht in Wirklichkeit - das zu behaupten traute sich selbst Rainer Rupp nicht - aber immerhin lässt diese Aussage ahnen, wie Rupp sich Sozialismus vorstellt: Eine Partei herrscht, die Gegner werden ermordet oder in den Knast gesteckt, Portraits des Großen Vorsitzenden müssen in jeder Wohnung aufgehängt werden, und der Kampf gegen den Zio-Imperialismus wird mit aller Entschlossenheit geführt. Rainer Rupp ist andererseits kein Unmensch, und er kann verstehen, dass manche Iraker das Regime nicht so doll finden: "Die, die in den Gefängnissen sitzen oder geflohen sind, sehen das naturgemäß anders." (alle Zitate aus: Flugschrift 1/2002, S. 11f.) Um gewollten Missverständnissen vorzubeugen: Wer autoritäre Charaktere wie Rainer Rupp verachtet, muss nicht zwangsläufig einen Krieg gegen den Irak gutheißen. Wolfgang Pohrt kommentierte seine eigene Befürwortung des 2. Golfkrieges in einem 1998 geführten Interview: "Wenn linke Schreiber den Frieden oder den Krieg meinen befürworten zu müssen, leiden sie stets unter Realitätsverlust und einer gewissen Aufgeblasenheit. Wenn unsereiner so tut, als ob die, welche über Krieg und Frieden entscheiden, auf ihn hören würden, macht er sich lächerlich. Mein Fehler war, daß ich mich von den friedensseligen Israel-Hassern zum Widerspruch provozieren ließ. Man soll eben nicht mit Leuten streiten, bei denen nicht mal das Gegenteil von dem, was sie sagen, richtig ist."
Jürgen verlässt unseren VereinNachdem Jürgen Elsässer kein
Redakteur der Zeitschrift konkret mehr ist und wieder in der Jungen
Welt publiziert, die er einst u.a. wegen ihres Antisemitismus verlassen
hatte, kann man schon lesen, es sei abzusehen gewesen, dass Elsässer
einmal dorthin zurückkehren würde. Solchen
Im-Nachhinein-Prophezeihungen kann ich nicht allzuviel abgewinnen,
interessant hingegen erscheint mir zu beobachten, wie Elsässer seine
eigene Geschichte nun partiell umschreibt, um - für sich selbst und für
seine Leser - eine Stringenz wiederherzustellen, die nötig ist, um
seine neueste ideologische Wendung als plausible Reaktion auf die
aktuelle Entwicklung zu verkaufen. Dass er mittlerweile ein Problem mit
der "Antisemitismuskeule" hat, die er heute seinen ehemaligen
Weggefährten aus der antideutschen Linken ankreidet, machte er schon
vor einigen Monaten deutlich, als er walsernd schrieb: "Gerade für die Positionskämpfe
innerhalb der Linken gilt das Motto: 'Wer zuerst Auschwitz sagt, hat
gewonnen!" (konkret 6/2002, S. 17) Angeblich hatte er der Linken mit seiner früheren Kritik an deren Antisemitismus nur helfen wollen: "Die Medizin, die ich zusammen mit Gremliza (und anderen) der Linken gegen ihren Antisemitismus zu schlucken gab, war immer bitter. Aber es war immer Medizin, die den Patienten heilen sollte sollte, nicht um die Ecke bringen."(ebda.) Das "immer" ist natürlich geflunkert. Vor einigen Jahren hatte Elsässer nämlich eine Phase, in der er u.a. Folgendes behauptete: "Heute ist es nicht nur illusionär, sondern reaktionär, sich positiv auf die Linke zu beziehen."Denn: "Das Beispiel Gollwitz zeigt, daß ein Gutteil der Linken heute die Rolle übernommen hat, die beim Pogrom von Rostock-Lichtenhagen die CDU/CSU spielte: Ihre Vor- und Afterdenker fabrizieren die Brand-Sätze, die dann von Glatz- und Hohlköpfen nur noch angezündet werden müssen. Schon länger waren Leute wie Gerhard Schröder, Christine Ostrowski oder Heinrich Graf von Einsiedel negativ aufgefallen - man konnte sich aber mit der These trösten, daß ihre rassistischen oder deutschnationalen Äußerungen nicht ihrem Links-Sein, sondern ihrem Zu-wenig- oder Nicht-mehr-Links-Sein geschuldet seien. Gollwitz läßt diese Ausflucht nicht mehr zu: Je weiter man sich auf der politischen Skala von der Mitte nach links bewegte, umso unverschämter wurde die Unterstützung für den Antisemitismus der Dörfler." In einer Zeit, in der die Zahl antisemitischer Straftaten gerade auch in Deutschland rasant zunimmt, gelangt Elsässer nun zu der Überzeugung, die Linken sollten es mit dem Thema Antisemitismus mal nicht übertreiben und publiziert wieder in der Jungen Welt, in der wüster Antizionismus à la Werner Pirker seit Jahren en vogue ist, mit dem ihn mittlerweile ein offen eingestandener Antiamerikanismus (1) verbindet. Elsässer ist der erste prominente Antideutsche, der in den Schoß der Traditionslinken zurückkehrt und antideutsche Positionen - zumindest partiell - revidiert ( "Ich würde dafür plädieren, die Anti-Etiketten abzunehmen, sie befördern nur die Abgrenzerei." - O-Ton JE in der Jungen Welt). Er war einer der lautstärksten Vertreter der antideutschen Linken, aber nicht eben der theoretisch Beschlagendste (er ist mehr an "Fakten" interessiert, was bisweilen zu guten Texten führte, etwa über die Dresden-Lügen), und so bleibt abzuwarten, ob ihm andere nachfolgen werden, und ob sie ihren Abgang besser inszenieren werden als Elsässer. O-Ton Elsässer: "Menschen, die angesichts des Amoklaufes des US-Präsidenten nicht ein paar antiamerikanische Reflexe verspüren, sind hirntot, ihre Körperfunktionen werden nur noch durch Infusionen der imperialistischen Propagandamaschine in Gang gehalten." O-Ton Pirker: "Der »Antiamerikanismus« wäre, würde er organisiert auftreten, die größte und fortschrittlichste Massenbewegung unserer Zeit. Ihn zu einem bewußten Anti-US-Imperialismus zu gestalten, wäre die vornehmste Aufgabe der Linken." |