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Fragmente 2002

Fragmente 2001/2002



Fragmente

    Eine Sammlung von Kurztexten, Ideen, Recherchen, Bruchstücken und Polemiken, die ich regelmäßig erweitere. Die neuesten Stücke füge ich oben ein. (letzte Änderung: 15.11.03)

Es gibt Menschen, denen man nichts Schlimmeres antun kann, als sie zu zitieren. Zum Mitglied dieser Gruppe überqualifiziert hat sich einer, der Michel Friedman, dessen Eltern Auschwitz-Birkenau überlebt haben, "satirisch" zur Nazi-Sau macht, ganz gewiss.

    Der Zusammenbruch VIII (VII, VI, V, IV, III, II, I)

    Robert Kurz hat mit den Antideutschen ein ähnliches Problem wie mit dem Kapitalismus: Gegen beide schreibt er mit Leidenschaft an, beider Untergang prognostiziert er eifrig, und beide sind immer noch da. Gerade noch hat er im Vorwort seines aktuellen Buches "Die antideutsche Ideologie" geschrieben:
    "Ich für meinen Teil bin nun mit den Antideutschen fertig." (S.11)
    Und schon geht es weiter, diesmal mit einem Text namens WOLPERTINGER IM YURASSIC PARK, dessen immerhin durchgehend falsch geschriebener Titel die Hoffnung transportiert, die Antideutschen mögen nun endlich aussterben.

    Diesmal bedenkt er auch meinen Text Zur Debatte um antideutsche Positionen, im folgenden antworte ich auf die halbwegs sachlichen Argumente von Kurz (Paraphrasierungen von Kurzens Text im folgenden kursiv):
    • Regression und Zerfallserscheinungen der radikalen Linken im allgemeinen und der antideutschen Linken im speziellen: Mit Bahamas teilt Kurz den Wunsch, aus der real existierenden Linken auszusteigen und eine neue, "wirklich" radikale kommunistische Kritik & Praxis zu begründen. Über diesen Jargon spottete Wolfgang Pohrt bereits 1993 auf dem Konkret-Kongress:
        "Beschwörend propagiert Kurz immer wieder, fast wie Gorbatschow, sein neues Denken, irgendwelche ganz neuen Dinge, wie wenn diese Forderung selber nicht eine der ältesten wäre. Manchen Linken wirft Kurz vor, ihr 'verkniffener, besserwisserischer und ressentimentgeladener Scheinradikalismus' schösse sich ein auf ein Geschichtswrack namens Deutschland. Aber so spricht doch keiner, der selber im Unterschied zu den verbiesterten Radikalinskis der Mann mit der Sonne im Herzen ist." (Harte Zeiten, S.159)
      Es ist hoffnungslos: Wer, wie Kurz und Bahamas, den Kommunismus will und dies einer schwindenden Öffentlichkeit verkündet, bleibt bei allem propagierten Austrittswillen doch Teil dieser radikalen Linken, denn für eine Umdeutung des Labels "radikale Linke" fehlt beiden jegliche Definitionsmacht. Solche Spielchen der Distinktion bleiben deshalb, außer vielleicht im Bereich der psychischen Selbstreproduktion, weitgehend folgenlos.
      Die Krise dieser radikalen Linken ist übrigens auch die der Krisis - die "Wertkritischen Kommunisten Leipzig" empfahlen in ihrem bekannten Erwiderungstext auf Kurz, die Theorie der Krisis-Gruppe vor ihren Protagonisten in Sicherheit zu bringen, die Krisis-Mailingliste hat es schon vor einiger Zeit geschrotet, innerhalb der Krisis-Gruppe haben die jüngsten Entgleisungen von Robert Kurz ebenfalls keine einhellige Zustimmung gefunden, das Krisis-nahe Webprojekt opentheory.org ist ein Tummelplatz für Irre, die publizistischen Möglichkeiten für Krisis- und Streifzüge-Autoren spitzen sich - abgesehen von Buchveröffentlichungen - allmählich auf die arbeiterbewegungsmarxistische und antizionistische Junge Welt zu, die jedes Antideutschen-Bashing gerne veröffentlicht.
    • Pirker und Radke sind beide, wenn auch aus entgegengesetzten Gründen, gegen die Wertkritik: Pirker und Kurz sind gegen antideutsche Positionen, Pirker und Kurz schreiben in der Jungen Welt. So what?
      Im übrigen bin ich kein "Gegner" von Wertkritik, ich bezweifle jedoch, dass sie zur Erklärung deutscher Besonderheiten viel beitragen kann (hierzu, if time permits, vielleicht ein anderes Mal mehr). Eine plausible Kritik der des Krisis-Ansatzes aus werttheoretischer Sicht, der ich weitgehend zustimme, hat Michael Heinrich verfasst, dessen Buch "Die Wissenschaft vom Wert" empfohlen sei.
    • "Bekenntnis zur USA", wie eklig: Ich verweise auf den letzten Abschnitt meines Textes Antideutsch für Einsteiger. Die Vorstellung, dass die US-Hegemonie derzeit auch Schlimmeres verhindern könnte, wird Kurz wohl immer fremd bleiben, deshalb an dieser Stelle kein Kommentar mehr hierzu.

    Ein anderer linker Journalist meinte kürzlich mal, auf Robert Kurzens Antideutschen-Bashing angesprochen, das mittlerweile mehr Fortsetzungen aufweist als "Jurassic Park": "Der Robert ist zu aufgeregt, dann macht er's nicht unter 350 Seiten." Die Prognose erscheint gefahrlos, dass Kurz, entgegen seiner Ankündigung, mit den Antideutschen nie fertig sein wird.


    Der Zusammenbruch VII (VI, V, IV, III, II, I)

    Mit seinem neuen Buch "Die antideutsche Ideologie" hat Robert Kurz die angeblich letzte publizistische Attacke ("Ich für meinen Teil bin nun mit den Antideutschen fertig", S.11) gegen die verhasste wertkritisch-antideutsche Konkurrenz von Bahamas und ISF geritten, mit der er sich auf über 300 Seiten vor allem beschäftigt. Am härtesten dürfte er jedoch den israelhassenden Teil seines Publikums getroffen haben - über dessen Anteil an Kurzens Leserschaft maße ich mir keine Schätzung an, immerhin war der einzige Fan seiner Bücher, den ich persönlich kenne, ein erbitterter Gegner jeder Israelsolidarität (Update: nach Kenntnisnahme von Kurzens aktueller Position zu Israel hat er nie ein Problem mit "Solidarität für Israel" gehabt). Im Kapitel "Der Staat Israel als metaphysischer Lückenbüßer" schreibt Kurz:
    1. "Der Antisemitismus stellt eine zentrale, klassenübergreifende Krisenideologie der Moderne dar. Die traditionelle Linke hat der Bedeutung dieser Ideologie nie Rechnung getragen. Auch der linke Antizionismus ist ein Antisemitismus und als solcher zu bekämpfen.
    2. Das Existenzrecht des Staates Israel ist kein 'politischer' Verhandlungsgegenstand. Israel ist der einzige Staat mit Existenzberechtigung, und zwar einzig als Konsequenz des Antisemitismus und der Shoa, nicht weil die Juden ein ethnisch zu bestimmendes Volk wären.
    3. Die palästinensische Bevölkerung bedarf wie alle Menschen dieser Welt für ein besseres Leben am allerwenigsten eines Staates. [...]
    4. Das sogenannte Rückkehrrecht der vor Jahrzehnten geflüchteten und von den arabischen Staaten künstlich in Lagern gehaltenen 'Palästinenser' ist nicht nur gegen die Existenz Israels gerichtet, sondern an sich reaktionär und ethno-rassistisch. Stattdessen wäre die vorenthaltene Einbürgerung und Eingliederung in die jeweiligen arabischen Länder zu fordern.
    5. Die islamistischen Terrororganisationen und ihre Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten sind keine 'Notwehr' der militärischen Habenichtse, sondern blanke Barbarei, nichts als Zukunftshaß und Preisgabe jeder Hoffnung auf Veränderung. Eine soziale Emanzipationsbewegung in Palästina muß sich auch gegen die israelische Siedlungspolitik richten, soweit sie rassistisch-nationalistisch ausgerichtet ist, aber zuallererst gegen das längst verwilderte eigene Krisenregime und seine Paten, die eindeutig das Haupthindernis für eine Beendigung der Haß- und Gewaltspirale darstellen." (S.205f., Hervorhebungen VR)

    Es wird eine Herausforderung für den Rezensierenden der Jungen Welt sein, diese Passagen im Buch ihres mittlerweile regelmäßigen Autoren entweder weiträumig zu umschiffen oder "solidarisch" zu kritisieren. Den Hausantizionisten der Jungen Welt - Werner Pirker, Rainer Rupp et al. - dürfte es nicht gefallen, von Kurz implizit des Antisemitismus bezichtigt worden zu sein (Punkt 1). Sollte sein Bekenntnis zu Israel auch praktische Konsequenzen jenseits der Textproduktion haben (was ich bis zum Beweis des Gegenteils eher nicht glaube), ist Robert Kurz viel Glück dabei zu wünschen, den Antizionismus in der Jungen Welt und auf der nächsten Friedensdemo zu bekämpfen. Er wird es brauchen.


    Ghostwriter

    Felix Klopotek, Jungle World:
    "Lohnarbeit heißt, dass es Menschen gibt, die von Lohn abhängig sind, die Arbeit leisten müssen, um dafür Lohn zu kassieren. Diejenigen, die den Lohn zahlen, sind die Arbeitgeber, die ihrerseits nach Profit, nach Geldvermehrung streben. Daraus folgt, wie Peter Decker und Konrad Hecker in ihrem Buch »Das Proletariat« (2002) herausgearbeitet haben, dass Lohn eine negative Größe für die Arbeitgeber ist."

    Klopotek hat bei der Recherche ein wenig geschludert, deshalb sei nachgetragen, dass Decker und Hecker bereits im Jahr 1865 unter dem Pseudonym "Karl Marx" auf diesen Sachverhalt hingewiesen haben:
    "Da Kapitalist und Arbeiter nur diesen begrenzten Wert zu teilen haben, das heisst den durch die Gesamtarbeit des Arbeiters gemessenen Wert, so erhält der eine desto mehr, je weniger dem anderen zufällt, und umgekehrt. Sobald ein Quantum gegeben ist, wird der eine Teil davon zunehmen, wie, umgekehrt, der andere abnimmt. Wenn der Arbeitslohn sich ändert, wird der Profit sich in entgegengesetzte Richtung ändern. Wenn der Arbeitslohn fällt, so steigt der Profit; und wenn der Arbeitslohn steigt, so fällt der Profit." (Lohn, Preis und Profit)

    Aber wer braucht schon Marx, wenn er Decker, Hecker und den Gegenstandpunkt hat.


    Ein Statistikfan

    Der Journalist Burkhard Schröder möchte in einem fast rührenden Leserbrief andeuten, dass seine Homepage von mehr Menschen gelesen wird und wichtiger ist als die Zeitschrift Konkret.

    "Im Gegensatz zur Website burks.de, die nur auf cirka eine Million Hits alias knapp 40.000 Leser pro Monat kommt..."

    Was sind "Hits"?

    "Any request made to the server which is logged, is considered a 'hit'. The requests can be for anything... html pages, graphic images, audio files, cgi scripts, etc... Each valid line in the server log is counted as a hit. This number represents the total number of requests that were made to the server during the specified report period." (Webalizer Help)

    Also werden pro Monat von Schröders Webpage 1.000.000 Dateien von anderen Rechnern angefragt. Diese Zahl klingt bombastisch, entscheidend ist jedoch, wieviele Dateien mit jeder heruntergeladenen Seite verknüpft sind. Jedes Foto eines Nackedeis von Schröders Webpage, das User auf ihren Rechner laden, entspricht einem Hit, hinzukommen Stylesheets, Skripte, etc.

    Mit "40.000 Leser pro Monat" meint Schröder die Zahl der Besuche (visits). Was sind "visits"?

    "Whenever a request is made to the server from a given IP address (site), the amount of time since a previous request by the address is calculated (if any). If the time difference is greater than a pre-configured 'visit timeout' value (or has never made a request before), it is considered a 'new visit', and this total is incremented (both for the site, and the IP address). The default timeout value is 30 minutes (can be changed), so if a user visits your site at 1:00 in the afternoon, and then returns at 3:00, two visits would be registered." (Webalizer Help)

    Das heißt, Schröder hat keine Möglichkeit festzustellen, wieviele der 40.000 monatlichen Besuche auf seiner Webpage von wiederkehrenden Besuchern stammen. Würde der durchschnittliche Besucher auf www.burks.de zweimal pro Monat vorbeischauen, schrumpfte die Zahl der unterschiedlichen Besucher schon auf 20.000 zusammen (die verkaufte Auflage von Konkret liegt meines Wissens bei über 30.000). Unter "visits" fallen auch alle, die durch eine Suchmaschine zufällig auf seine Seite geraten sind und sofort wieder kehrtgemacht haben, was erfahrungsgemäß einen hohen Anteil ausmacht. Die durchschnittliche Verweildauer auf Burkhard Schröders Webpage dürfte nur einen Bruchteil der Zeit ausmachen, die Konkret-Leser mit ihrer Zeitschrift verbringen. Hinzu kommt, dass Zeitschriften häufig nicht nicht nur vom Käufer, sondern auch von anderen Haushaltsmitgliedern gelesen werden, was für Webseiten meist nicht gilt.

    Er hat nicht nur die dickste Nazilinksammlung im Internet, sondern auch ein leicht inflationiertes Ego, und vielleicht liest er sich bei Gelegenheit auch mal die Gebrauchsanleitung seines Webalizers durch.


    Linke und Hyperlinks

    Immer mal wieder entbrennt ein Streit darüber, zu wem man als Linker im Internet Hyperlinks setzen sollte und zu wem nicht. Meine Verhältnis hierzu ist folgendes:
    1. Ich unterscheide zwischen Hyperlinks und kopierten Adressen: Hyperlinks sind anklickbar, kopierte Adressen - Beispiel - nicht.
    1. Zu Naziseiten setze ich keine Hyperlinks. Punkt. Wer dies tut, macht u.a. die Arbeit von Hagalil zunichte, Naziseiten in den Rankings von Suchmaschinen auf die hinteren Ränge zu verdrängen, was z.T. auch erfolgreich ist. Wenn ich auf einen Text einer bestimmten Naziseite hinweisen will, kopiere ich die Adresse als normalen Text. Dies hilft Nazis nicht bei den Google-Rankings und erschwert ihnen die Recherche, weil sie nicht über die Statistik ihrer Webpages erkennen können, woher ihre Besucher kommen.
    1. Bei Islamisten und unerfreulichen linken Gruppen unterscheide ich zwischen solchen, die ohnehin sehr bekannt sind und deshalb durch meinen Hyperlink nicht nennenswert aufgewertet werden (AIK, Muslim-Markt etc.) und kleinen privaten Webpages, deren Auffindbarkeit ich nennenswert erhöhen könnte. Zu ersteren setze ich Hyperlinks, bei letzteren gibt's wieder nur die kopierte Adresse.
    2. In seltenen Fällen kann von Bedeutung sein, ob körperliche Gewalt oder ein Gerichtsverfahren zu erwarten sein könnte. Schlägern und Klagehanseln kann ich die Suche zumindest eine wenig erschweren, indem ich Hyperlinks vermeide.
    Übrigens ist es nicht sinnvoll, den mittlerweile berühmten Disclaimer auf seine Webpage zu setzen, um einer etwaigen Strafverfolgung wegen rechtswidriger Inhalten verlinkter Seiten zu entgehen: Dies kann einem Webpagebetreiber vor Gericht sogar zum Nachteil gereichen, da der Richter ein Unrechtsbewusstsein unterstellen könnte.



    Offene Theorie, geschlossene Anstalt

    Das Online-Projekt Open Theory, bei dem u.a. auch die Krisis-Gruppe eine eigene Abteilung unterhält, definiert sich folgendermaßen:

    (1) "Offene Theorie - open theory, kurz ot, ist der Versuch, das Modell freier Softwareentwicklung auf die Entwicklung von Theorie zu übertragen. Uns interessiert in diesem Zusammenhang die Art und Weise der Entwicklung von freier Software [...]. Wir wollen ihre Methode für die Entwicklung von Theorien für ein freies Leben nutzen. Dabei geht es uns um:
    - die Freiheit von Unterdrückung und Bevormundung
    - die Freiheit vom Zwang zur Lohnarbeit
    - die Freiheit von Warenmüll und Kommerzwahnsinn
    - die Freiheit von der Unfreiheit des Lebens" (Hervorhebung VR)

    Obwohl all diese Probleme durch Selbstmord sehr einfach zu lösen wären, existiert dort eine große Zahl von Subprojekten, in denen anscheinend völlig zensurfrei alles bis zum Faschismus propagiert werden darf, wenn es nur irre genug klingt, etwa im "Projekt" Phase 4:

    (3.3.1.3.1) Re: Ja, Arier!!, 11.06.2003, 16:23, Jörg Schneider: Indem alle Menschen saugen wird Gottes Wille und die Ain Soph entspringende kosmische Ordnung erfüllt.Indem der freie Ressourcenzugang hergestellt ist,wird der (Welt)-Arier geschaffen.Die Widersprüche werden aufgelöst, dadurch das alle Menschen saugen.
    Arier ist wer sich an die kosmische Ordnung hält, das heisst sich dafür einsetzt, dass alle Menschen saugen können. Menschen die gegen das saugen sind, bzw. trennen sind keine Arier,es sind Verworfene,es sind Böse. (Das Kastenwesen ist ebenfalls eine üble Form der Trennerei)
    Das Ariertum/der Arier ist das Moment des Saugens und des sich im Kollektiv und als Kollektiv verhaltens.

    Arier ist wer sich als solcher verhält. Der Glaube (existenzielle Ausrichtung und Entscheidung) ist entscheidend und nicht irgendeine "biologische Abstammung".Die Nazis waren nicht entschieden genug.

    Siehe auch unten: Zerstörung der Familie.Die Weltfaschisten sind die einzigen die konsequent antivölkisch sind!"

    Opentheory.org wird übrigens von der Krisis-Gruppe ausdrücklich empfohlen:

    "All jenen, die an inhaltlichen Diskussionen interessiert sind, schlagen wir vor, sich an Open-Theory (ot) -Projekten bzw. Diskussionen zu beteiligen." (Norbert Trenkle)

    Man ist ja offen und tolerant, so lange niemand was Antideutsches schreibt.

     

    Ein kurzer Besuch in der Welt des Noam Chomsky

    Antwort Chomskys auf die Aufforderung durch Alan Dershowitz "zu einer öffentlichen Diskussion darüber [...], ob es antisemitisch oder antijüdisch sei, den Holocaust in Abrede zu stellen", nachdem Chomsky eine Petition zugunsten des Holocaustleugners Robert Faurisson unterstützt hatte:

    "Es ist so offenkundig, daß eine Debatte sinnlos ist, denn niemand glaubt, daß es eine antisemitische Konnotation zur Leugnung des Holocaust gibt." (zit. nach: Alan Dershowitz, Chuzpe, S. 238, engl. Original des Zitats)

    Zeit, wieder zu gehen.

    (Text der Petition: "Dr. Robert Faurisson has served as a respected professor of twentieth-century French literature and document criticism for over four years at the University of Lyon-2 in France. Since 1974 he has been conducting extensive historical research into the "Holocaust" question.
    Since he began making his findings public, Professor Faurisson has been subject to a vicious campaign of harassment, intimidation, slander and physical violence in a crude attempt to silence him. Fearful officials have even tried to stop him from further research by denying him access to public libraries and archives.
    We strongly protest these efforts to deprive Professor Faurisson of his freedom of speech and expression, and we condemn the shameful campaign to silence him. We strongly support Professor Faurisson's just right of academic freedom and we demand that university and government officials do everything possible to ensure his safety and the free exercise of his legal rights.") [Hervorhebungen VR]

     

    Opfer der Umstände

    Ulrich Enderwitz, "Antisemitismus und Volksstaat", S. IIf.:

    "Dabei kann die Ungeheuerlichkeit, daß eine bloß symbolische Aktion praktisch mit allgemeiner Duldung beziehungsweise Zustimmung in der Ermordung von Millionen Menschen resultieren, daß ein rein symptomatisches Verhalten, ohne groß auf Protest oder Widerstand zu stoßen, die Gestalt eines ebenso bürokratisch geordneten wie viehisch ausgetüftelten Massenmordes annehmen kann, als Indiz dafür gelten, wie sehr das pathologisch handelnde Subjekt, das am Ersatzobjekt seinen Widerspruch abreagierende faschistische Staatskonstrukt, dem Dafürhalten und Wollen der einzelnen entzogen ist, wie sehr es sich zu einer ohne Rückbezug auf die empirischen Staatsbürger, ohne Rückkoppelung an individuelle Urteils- und Meinungsbildungsprozesse prozedierenden und nurmehr seiner eigenen Irrenlogik verpflichteten Herrschaftsautomaten verselbständigt hat. Daß der faschistische Staat seinen Ersatzhandlungsgelüsten, ungeachtet ihrer empirischen Folgenschwere, so freien Lauf lassen, daß er seine Symptome ohne Rücksicht auf ihre massenmörderischen Konsequenzen ausagieren kann, ist nicht nur Beweis für seine zutiefst pathologische Verfassung, es ist zugleich Ausdruck der Selbstverständlichkeit, Unanfechtbarkeit und Unhinterfragbarkeit, mit der er auch noch in seinen scheinbar oder tatsächlich irrationalsten Äußerungsformen, seinen scheinbar oder tatsächlich wilkürlichsten Resolutionen dem Staatsbürgervolk entgegentritt. Er ist die objektive Macht, der die von ihr Beherrschten, die Staatsbürger, ebenso willen- wie besinnungslos ausgeliefert sind und der sie bis nach Stalingrad, bis in die KZ-Wachmannschaften, bis in die Luftschutzkeller, bis in den Volkssturm, bis in den Kadavergehorsam der verbrannten Erde Folge leisten müssen." [Hervorhebungen VR]

    Übersetzung:

    1. Die Deutschen hatten keine Wahl, denn sie waren willen- wie besinnungslos ausgeliefert, und zwar der objektiven Macht des seinen Widerspruch abreagierenden faschistischen Staatskonstruktes. Sie mussten gehorchen.
    2. Die Juden waren nicht wirklich gemeint, denn sie waren ein Ersatzobjekt, ihre Ermordung war ein rein symptomatisches Verhalten, die Folge von Ersatzhandlungsgelüsten des faschistischen Staates, der ohne Rückbezug auf die empirischen Staatsbürger handelte.

    Ich spare mir hier eine Widerlegung dieses exkulpatorischen Quarks, der Robert Kurz wie einen Waisenknaben erscheinen lässt. Wer etwas richtiges über den Holocaust erfahren will, dem seien zum Einstieg Hitlers willige Vollstrecker von Daniel Goldhagen und "Die dunkle Seite der Geschichte" von Yehuda Bauer empfohlen sowie "Das Schwarzbuch - der Genozid an den sowjetischen Juden" von Wassili Grosman und Ilja Ehrenburg. Von marxistischen "Erklärungen", seien sie ökonomistisch, staatsableitend oder wertkritisch, ist in der Regel nach wie vor abzuraten.

     

    Globalisierung des Wahns

    Krake aus dem

    Stürmer, 1938

    Krake aus der Nationalzeitung

    Nationalzeitung, 7. Juli 2000

    Krake aus einer ägyptischen Zeitung

    Al-Ahrar (Ägypten), 7.3.2003

    Krake aus einer arabischen Zeitung

    Al-Watan (Saudi Arabien),April 9, 2002

    Krake auf dem Titel eines Antiglobalisierungsbuches

     

     

    "Und er [John Maynard Keynes, VR] wusste nur zu genau, dass das Finanzkapital menschliche Bedürfnisse bei lebendigem Leibe frisst, wenn es außer Kontrolle gerät. Heute halten die internationalen Bankensysteme und unregulierten Investitionsströme gewählte Regierungen als Geiseln." (S. 395 des links abgebildeten Buches)

    Unsere Jugend,unsere Polizei, unsere Presse

    Trierischer Volksfreund vom 26./27.7.03:

    Schmierfinke gefasst

    Hakenkreuze und SS-Runen am jüdischen Friedhof

    Freudenburg. (red) Die Hakenkreuzschmierereien in unmittelbarer Nähe des Haupteinganges zum jüdischen Friedhof in Freudenburg sind aufgeklärt. Wie die Polizei gestern weiter mitteilte, stehen ein 16-jähriges Mädchen sowie ein 15-jähriger Junge im Verdacht, am vergangenen Wochenende das Holzgeländer des Fußweges zum Friedhof mit mehreren Hakenkreuzen, SS-Runen und einem Keltenkreuz beschmiert zu haben. Daneben wird den beiden vorgeworfen, an drei Grabsteinen antisemitische Parolen angebracht zu haben. Beide Tatverdächtige haben in den polizeilichen Vernehmung ihre Taten gestanden. Eine politische Motivation liege nach bisherigen Erkenntnissen nicht vor. (Hervorhebungen VR)

    Ohne Worte III(II, I)

    Anzeigen
    Jürgen Möllemann:Klartext
    Ist der Inhalt von "Klartext" evtl.
    der Grund für Möllemanns Tod?

    www.libri.de
    Interesse:

    (Werbung auf Google)

     

    Der Zusammenbruch VI (V, IV, III, II, I)

    Nachdem der Wiener "Wertkritiker" Franz Schandl Antideutsche als radioaktiven Abfall bezeichnet hatte, stellte sich die Frage, ob sein Nürnberger Kollege Robert Kurz dessen sprachliche Enthemmung noch würde toppen können. Kurz ließ sich nicht lange bitten und legte ein gleich 39-seitiges Pamphlet vor - der Höhepunkt:

    "Als Protagonist einer Redeweise, die das verbale Schamgefühl der Cruise-Missile-Intelligentsia sowie ihrer Freunde, Diskurstechniker und sonstigen Helfer verletzt hat, muß ich meine Entschuldigung aussprechen, wie es sich gehört unter anständigen westlichen Bürgern mit einwandfreien aufgeklärten Umgangsformen und Respekt voreinander. Ich entschuldige mich also hiermit in aller Form bei sämtlichen Seuchen und Tierarten, die ich in der unkontrollierten Emotionalität des Augenblicks mit dem antideutschen Bellizismus (nicht mit den von dieser Ideologie fehlgeleiteten Menschen) verglichen habe."

    Ob Franz Schandl das wird überbieten können? Ein Vorschlag: Schandl könnte sich bei dem radioaktiven Abfall entschuldigen, dem es nicht gefallen haben kann, mit Antideutschen verglichen worden zu sein. Und dann ist Kurz wieder dran.

     

    Remember Kosovo?

    Bei all dem derzeitigen Geschrei der deutschen Presse um das Chaos und Anarchie im Irak, das die USA angerichtet hätten, lohnt es sich, einen Blick auf die aktuelle, von den Europäern maßgeblich mitverschuldete Lage im Kosovo zu werfen:

    "NACHKRIEGSORDNUNG IM KOSOVO "Sie trauen sich kaum aus den Häusern"

    Vier Jahre nach dem Einmarsch der Nato-Truppen ist das Kosovo ein zukunftsloses Land. Der Hass zwischen Serben und Albanern wird nur mühsam unterdrückt, die Wirtschaft liegt am Boden und die ungeklärte Statusfrage verhindert Investitionen. Für die Uno zeigt sich, wie schwierig der Wiederaufbau nach einem Krieg ist. [...] Die internationale Schutztruppe hat mit ihren 25.000 Soldaten und 6000 Polizisten die Sicherheitslage im Griff. [...] Offiziell sind mehr als 60 Prozent der Bevölkerung ohne Beschäftigung. Wer einen Job als Übersetzer, Fahrer oder einfacher Handlanger bei den internationalen Institutionen gefunden hat, ist glücklich. Alle anderen warten auf einen Hauch von wirtschaftlichem Aufschwung, der aber ist kaum in Sicht. Industrie gab es auch vor dem Krieg nur wenig, und kaum einer der Landwirte kann sich noch Hilfskräfte leisten. [...] Kosovo lebt am Tropf der Staatengemeinschaft. Vergangene Woche lieferte Uschi Eid, Staatssekretärin für Entwicklungspolitik, weitere 18,7 Millionen Euro Anschubhilfe für Jugendprojekte und Kredite für Kleinunternehmer dort ab. Milliarden haben die Uno, die EU und Hilfsorganisationen bereits in das Land gepumpt - ohne große Wirkung. "Es bleibt eine Bubblegum-Wirtschaft", sagt Steiner, "von außen kommt Geld, das verbraucht wird, doch es entwickelt sich nichts Selbstständiges". [...] Immer noch ist der Graben zwischen den albanischen 90 Prozent der Bevölkerung und der serbischen Minderheit tief. Serben und Albaner leben fein säuberlich getrennt voneinander. "Die Militärpräsenz wird noch Jahre bitter nötig sein", sonst brechen die alten Feindschaften schnell wieder auf", sagt Steiner. [...] In Pristina leben fast keine Serben mehr. Und in den wenigen gemischten Ortschaften auf dem Land erinnern die vergitterten Fenster der serbischen Häuser an die blutige Rache der Albaner für die ethnischen Säuberungen. Noch immer gibt es Steinwürfe in der Nacht. "Viele der Serben führen seit Jahren ein Schattendasein", sagt der Stuttgarter Polizist Berndt Schuhmann, der in Lipijan südlich von Pristina einer von der Unmik geleiteten Polizeiwache vorsteht, "sie trauen sich kaum aus ihren Häusern.""(Spiegel Online)

     

    Der Zusammenbruch V (IV, III, II, I)

    Es kam, wie es kommen musste, und nun ist es da: viel Lob für Robert Kurz und auch ein wenig Kritik von der NPD-Monatszeitung "Deutsche Stimme" für seinen mutigen Kampf gegen die vaterlandslosen Antideutschen. Das Lob:

    "Einer der stimmgewaltigsten innerlinken Kritiker dieser Heiligsprechung des Judäo-Amerikanismus ist Robert Kurz. Dieser ist freier Publizist, Mitherausgeber der linkssozialistischen Theoriezeitschrift »Krisis« und hat u.a. das lesenswerte »Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft« verfaßt. Die Entsorgung jeder ernsthaften Kritik des Imperialismus und Kapitalismus –Resultat einer "antideutschen negativen Idealwelt« und der "Restbestände der linksbürgerlichen Aufklärungsideologie«– treibt Kurz die Zornesröte ins Gesicht. In dem weitausholenden "Krisis&laquo-Beitrag "Das Spiel ist aus" bringt er seine Geschütze gegen die Antideutschen in Stellung und feuert aus allen Rohren:
    "Lange her, nichts dazugelernt: Anfang der 90er Jahre erlebte die radikale Linke in der BRD die Geburt der sogenannten Antideutschen, für die nach der deutschen Vereinigung und dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Weltlage auf den Stand des frühen 20. Jahrhunderts regredierte. Die Stoßrichtung war von Anfang an klar: God bless America – mit den ,guten‘ Westmächten für die ,westlichen Werte‘ und bürgerlichen Ideale, gegen das Phantom eines ,Vierten Reiches‘. Die reale Globalisierung des Kapitals wurde strikt geleugnet, die neue Dimension imperialer Macht unter alleiniger Führung der USA ignoriert, der Untergang des Staatskapitalismus ,nachholender Modernisierung‘ nie kritisch auf den Punkt gebracht. (…) An die Stelle einer Erneuerung radikaler Kapitalismuskritik auf der Höhe der globalen Entwicklung trat ein rein ideologisches Feindbild namens ,Deutschland‘, ohne daß je das Verhältnis von kapitalistischer Gesellschaftsform und spezifisch deutscher Geschichte geklärt worden wäre. Kritik der politischen Ökonomie: Fehlanzeige. Aber auf jeden Fall: Immer wieder Anti-Hitler-Koalition, egal worum es geht, damit man innerhalb einer verewigten bürgerlichen Welt immer schon zu den ,Guten' gehört und gleichzeitig den Gestus des ,radical chic' zelebrieren kann."
    In Richtung des Umfeldes der Postillen "Bahamas" und "Jungle World" und deren begeisterter Anteilnahme am Globalisierungskrieg gegen den Irak giftet Robert Kurz im gleichen "Krisis"-Beitrag:
    "Die Bellizisten und andere Antideutsche, die sich als ,radikale Kritiker‘ eines deutschnationalen Supermacht-Phantoms halluzinieren, stehen in Wirklichkeit stramm an der Seite der finsteren gesamtimperialen Kräfte, an der Seite der Kotzbrocken Blair und Bush, an der Seite der deutschen Hardcore-Konservativen und des aggressivsten Teils der deutschen Wirtschaftsverbände. Sie kritisieren den BRD-Apparat nicht deswegen, weil er Teil der imperialen Machtstruktur ist, sondern im Gegenteil deswegen, weil er es momentan ihrer Meinung nach nicht überzeugt und militant genug ist.«"(Quelle: http://www.deutsche-stimme.de/Sites/06-03-Hauen.html , Hervorhebung VR)

    Die Kritik:

    "Auch Robert Kurz, dessen wuchtige Verbalattacken gegen antideutsche Seelenkrüppel man natürlich mit Sympathie begleitet, ist erbitterter Gegner jedes Nationalismus. Nicht etwa ein deutsches Bekenntnis läßt ihn zu einem Gegner der Antideutschen werden, sondern “abgesehen von der Kritik an ihrem eingeschläferten Antikapitalismus – die Sorge um die Politikfähigkeit der extremen BRD-Linken."

    Robert Kurz ist - natürlich - keiner der ihren, und doch ist er ihnen von Nutzen. Aber als was eigentlich? Vielleicht als unaufgeklärter sekundärer Dorfdepp des Warenfetischs?

    Nein, das wäre dann doch zu unwahrscheinlich.

     

    Des Muftis Neffe

    Ob der Großmufti von Jerusalem und Nazikollaborateur Hadj Amin El Husseini, Auschwitz besucht hat, ist nicht völlig gesichert - belegt jedoch ist die Visite seines Enkels, Dr. Mussa Abdalla el Husseini, der das Lager 1944 besuchte und dabei mindestens eines der Krematorien inspizierte. Shaul Chasan, Mitglied des jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz, erinnert sich:

    "Eines Tages kam der Mufti [gemeint ist Mussa Abdalla el Husseini, VR], er war direkt neben mir. Der Kapo meinte, das sei der Mufti. Es war im August 1944. Er hatte so einen merkwürdigen Hut. Er kam, um die Verbrennungen anzuschauen. Vielleicht hatte er die Absicht, in Eretz Israel etwas Ähnliches durchzuführen. Die Deutschen erklärten, wie die Ermordung im Krematorium funktionierte. Man hatte ihn in eine deutsche Uniform gesteckt, nur der Hut war sein eigener. Ich sah ihn draußen, vor dem Gebäude, wir waren gerade mit dem Zerstoßen der Knochen beschäftigt. Der Kapo arbeitete im Krematorium. Ich weiß nicht, wie es ihm entfahren konnte, zu sagen, das sei der Mufti." (Gideon Greif, Wir weinten tränenlos, S. 318)

    Dr. Mussa Abdalla el Husseini zeichnete später für die Ermordung des jordanischen Königs Abdallah verantwortlich, wofür er in Amman gehängt wurde (vgl. ebda., S. 382).

     

    Eine Kontroverse

    Matthias Küntzel und Hermann L. Gremliza liegen im Clinch. Gremliza wirft Küntzel vor, Zitate zu fälschen und letztlich den Anschluss ans "teure Vaterland" zu suchen. Küntzel entgegnet Gremliza, sein Vorwurf sei verleumderisch:

    "Gremliza geriete in Schweiß, wollte er auch nur ein Spurenelement dieser Andeutungen in Küntzels Texten verifizieren." (unveröffentlichter Leserbrief)

    Ohne mich auf einer Seite platzieren zu wollen (für Flügelkämpfe ist die antideutsche Linke zu klein), habe ich, ganz schweißlos, ein "Spurenelement dieser Andeutungen in Küntzels Texten" verifiziert (es erschien freilich erst nach Gremlizas Vorwurf):

    "Immerhin haben Washington und London damit begonnen, die antisemitischen Netzwerke Bin Ladens zu zerstören, was von der Berliner Politik, die besonders deshalb zu kritisieren ist, kaum behauptet werden kann." (Das Fanal)

    Damit ist Küntzel vermutlich der erste Antideutsche, der einen Kriegseinsatz der Bundeswehr gefordert hat. Ich mag ja falsch liegen, aber "Antideutsch" hieß für mich immer, die Abschaffung Deutschlands mitsamt Bundeswehr zu forden, nicht deutsche Soldaten in Kriegseinsätze gegen wen-auch-immer zu schicken. Wie naiv.

     

    Jürgen verlässt unseren Verein III (II, I)

    2000

    Jürgen Elsässer fordert die Abschaffung Deutschlands:

    “Elsässer erkannte die eigentliche Katastrophe in der Wiedervereinigung, die das ‘Schlechte von Ost und West’ zusammengebracht habe. Viel Beifall fand seine witzige Forderung, Polen solle an Frankreich grenzen." (Bericht der “Berliner Zeitung” über eine Podiumsdiskussion, 2000)

    2003

    Jürgen Elsässer zerbricht sich den Kopf der deutschen Regierung:

    "Ein konsequenter Bruch mit den USA würde die Chance für eine Entspannungspolitik in Europa eröffnen. Eine stabile Freundschaft mit Paris und Moskau ist die beste Vorkehrung gegen einen neuen deutschen Sonderweg." (Der deutsche Sonderweg, S. 10)

     

    Ohne Worte II (I)

    NPD-Anhänger mit Saddam/Bin Laden-Shirt

    (NPD-Demo gegen den Irak-Krieg in Hanau, 29.3.2003)

     

    Der Zusammenbruch IV (III, II, I)

    Dort, wo "objektive", überpersönliche Tendenzen am heftigsten beschworen werden, schlägt das Persönliche, Subjektive bisweilen umso unbarmherziger zurück. Die letzten Pamphlete des Krisentheoretikers Robert Kurz wirken, als hätte der Autor derzeit schwer mit Mordfantasien zu kämpfen. Nachdem er viele Jahre in der Wochenzeitung Jungle World und der Monatszeitschrift Konkret publiziert hat, fordert er nun einen radikalen Schnitt, eine Trennung von allen "Softcore-, Halb- und Viertel-Bellizisten" inclusive einer Neuordnung der linken publizistischen Landschaft. Seine Bemühungen um eine "wirklich" radikale Kritik der Verhältnisse - die natürlich "wertkritisch" zu sein hat - sind außerhalb des Milieues bürgerlicher "Zeit"-Leser offenbar nicht allzu erfolgreich gewesen, sonst würde Kurz jetzt verbal nicht so wild um sich schlagen. Sein Hauptgegner scheinen derzeit die Antideutschen zu sein, die er mittlerweile für restlos kriegstreiberisch und prokapitalistisch hält.

    Paranoid sind immer die anderen:

    "Die Welt wird unter den eigenen deutschen Mief subsumiert, und so stellen sich ihnen die Millionen von Antikriegs- und Antiglobalisierungs-Demonstranten in New York und Washington (unter Beteiligung jüdischer Organisationen), in London und Madrid genauso wie die in Berlin als lauter identische Manifestationen desselben faschistisch-antisemitischen "deutschen" Bewußtseins dar. Ein klarer Fall von klinischem Verfolgungswahn [Hervorhebung VR]."

    In Sachen Paranoia hat jedoch auch Kurz einiges zu bieten:

    "Wenn diese Ansammlung von bellizistisch kontaminierten Dampfplauderern linksbürgerlichen Krisenbewußtseins etwas eint, dann ist es die rückwärtsgewandte Perspektive, denn die Geschichte ist für sie im Jahr 1945 zum Stillstand gekommen. Ausgerechnet diejenigen, die von einer positiven "kapitalistischen Zivilisation" faseln, die es nie gegeben hat, ausgerechnet diejenigen, deren Kapitalismusanalyse auf dem Niveau des Ersten Weltkriegs sitzen geblieben ist und die den Begriff des transnationalen Kapitals in Anführungszeichen setzen, um ihre eigene Ignoranz zu dokumentieren, ausgerechnet diejenigen, die an der kapitalistischen Subjektform ideologisch kleben wie die Fliege am Leim und die keinen Unterschied kennen wollen zwischen der Marxschen Theorie der Überakkumulation und der politischen Ökonomie des Antisemitismus, um ihre denunziatorische Giftspritze beliebig gegen unliebsame krisentheoretische Reflexionen richten zu können [Hervorhebung VR] – ausgerechnet diese Leute besitzen die Dummdreistigkeit, über die sozialen Bewegungen zu Gericht sitzen zu wollen."

    Denn sie sind auch hinter ihm her. Und sie sind sehr mächtig:

    "Die antideutschen Bellizisten und ihre nützlichen Idioten sind nicht die wahren Gegner dieser [nationalistischen, völkisch-antisemitischen, VR] Tendenzen, sondern im Gegenteil ihre Helfershelfer. Sie kämpfen nicht um, sondern gegen die Bewegungen als solche, weil diese nicht nach der Pfeife der proimperialen "linken" Killer-Intelligentsia tanzen; sie unterstellen die unmittelbare Identität der Massen von kriegs- und globalisierungsgegnerischen Jugendlichen mit den neofaschistischen und völkisch-"antiimperialistischen" Trittbrettfahrern; sie betreiben eine destruktive Politik der self-fulfilling-prophecy, um die unliebsamen Massendemonstrationen mit allen Mitteln gerade so zu identifizieren, wie man sie unbedingt haben will, um sie insgesamt als völkisch-antisemitische Erweckungsbewegung denunzieren zu können und die antideutsch zu gängelnde Schafherde der linken Szene von produktiv-kritischer Einmischung abzuhalten." [Hervorhebung VR]

    Jeder, der weiß, was eine self-fulfilling-prophecy ist, wird sich fragen müssen, ob Kurz die Antideutschen ernsthaft für so mächtig hält, durch ihre Prophezeihungen die Phänomene zu erzeugen oder zu verstärken, gegen die sie ankämpfen.

    Offenbar hat Kurz für sich selbst entschieden, dass die linke Variante des völkischen Antisemitismus für ihn gegenüber dem linken "Bellizismus" das kleinere Übel ist, denn sein Text "Das Spiel ist aus" erschien als Mehrteiler in derselben Zeitung, in der ein linker Antisemit wie Werner Pirker (den auch Nazis schätzen: http://die-kommenden.net/dk/wochen/02/mai_25_31.htm#10 ) die Kommentare zum Nahen Osten schreiben darf.

    In seinem "Schwarzbuch Kapitalismus gab sich Kurz vor einigen Jahren redlich Mühe, einem deutsch-bürgerlichen Publikum zu gefallen: Das Wörtchen "totalitär" wurde inflationär verwendet, passend dazu die Sowjetunion unter die "Dikaturen des 20. Jahrhunderts" (z.B. S. 445) subsumiert, Auschwitz war halt eine Erscheinungsform der "Zweiten industriellen Revolution". Aber nicht nur paranoid sind eben immer die anderen, sondern auch opportunistisch - und Robert Kurz ist halt so überwältigend radikal, dass selbst die bürgerliche Wochenzeitung "Die Zeit" gezwungen war, das "Schwarzbuch" als "wichtigste Veröffentlichung der letzten zehn Jahre in Deutschland" zu feiern.


    Die Geschichtsphilosophen und Israel

    Die Initiative Sozialistisches Forum gehört zu den wichtigsten Kritikern der deutschen Verhältnisse, und sie hat früh und konsequent die deutsche Palästinasolidarität kritisiert. Bei allem Richtigen bemerkt man leider noch die Wirkung eines älteren Marxismus-Leninismus - etwa dort, wo man die Israelis auf eine welthistorische Mission schickt:

    "Nun soll gewiß nicht behauptet werden, Ariel Scharon sei der Lenin von Israel, aber die israelische Staatlichkeit speist sich, historisch wie strukturell, aus ihrem Wesen als parlamentarisch verfaßte und im Staat zusammengefaßte Emanzipationsgewalt. Es ist also nicht möglich, zwischen Herrschaft und Herrschaftsausübung in der Weise zu trennen, wie man es gemeinhin macht, wenn man sich fragt, ob der Schröder oder der Stoiber das Gemeinwesen besser verwalten werden. Vielmehr bekundet, wer in dieser Weise trennt, nicht nur sein Unverständnis für die Staatlichkeit der Juden, sondern auch einen mindest diskreten Antizionismus, etwa nach Art der diesjährigen Ostermärsche, die es duldeten, daß palästinensische Nationalwimpel mitgeführt wurden, oder nach Art der famosen Tute bianche, die zum Boykott israelischer Waren aufrufen, oder nach Art der eitel militanten operaistischen Gruppe Wildcat, die wirklich glaubt, Israel einer „Klassenanalyse“ unterwerfen zu können – all dies Gewese verdrängt, daß Ariel Scharon, natürlich ohne es zu wollen, näher dran ist am Kommunismus als seine Kritiker, daß er, auf seine, ihm als General einzig mögliche Weise, den antifaschistischen Kampf führt als eine Art israelische Ausgabe von Buonaventura Durruti. Denn der Kommunismus, die staaten- und klassenlose Weltgesellschaft, verlangt, soll er gelingen, etwas Unmögliches: Rache für die Toten, für die Opfer der Barbarei; zugleich aber auch, daß niemand anders behandelt werde als nach seinem eigenen Maß: Gerechtigkeit für die Lebenden. Nur so ist der Kommunismus möglich als die gesellschaftlich bewahrheitete Maxime „Jedem nach seinem Bedürfnis, jeder nach seinen Fähigkeiten. In dieser Perspektive ist Israel der bewaffnete Versuch der Juden, den Kommunismus lebend zu erreichen." (Der Kommunismus und Israel)

    Also streben die Israelis den Kommunismus an, nicht bewusst, sondern lediglich "objektiv", ohne es zu wollen. In ähnlicher Diktion hatte die der ISF nahestehende Zeitschrift Bahamas bereits die USA als Erfüllungsgehilfen des Kommunismus gesehen:

    "Die Beseitigung islamischer Herrschaft würde die Bevölkerungen dieser Länder dem moslemischen Götzendienst entreißen, um sie, mit allen brutalen Konsequenzen, dem kapitalistischen Warenfetisch direkt zu unterwerfen; sie würde einerseits die realen Bedingungen von Antisemitismus und Islamismus unangetastet lassen und die vom Wahn Besessenen aufgrund der nicht zu erwartenden Linderung des Elends möglicherweise in ihren barbarischen Intentionen bestärken. Andererseits könnte die militärische Bezwingung des Islamismus den Blick von islamischer Elendsverklärung, Selbstkasteiung und Mordlust fort auf die von der kapitalistischen Vergesellschaftung hervorgebrachten materiellen Potentiale lenken und den Wunsch nach kommunistischer Aneignung aufkeimen lassen." (Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder!)

    Unter den Bedingungen einer derzeit alternativlosen kapitalistischen Hegemonie bleibt Linken meist entweder der Weg in die Realpolitik, ins Privatleben oder das Festhalten an Geschichtsphilosophie. Da die ISF Realpolitik ablehnt, werden die Israelis und die USA auf eine Mission geschickt, bei der am Ende der Kommunismus herauskommen soll, denn man ahnt wahrscheinlich, dass deutsche Linke für Israel nur dann zu begeistern sein dürften, wenn man irgendeine Verbindung mit originär linken Träumen herstellen kann.

    Israel ist nicht "der bewaffnete Versuch der Juden, den Kommunismus lebend zu erreichen." Israel ist ein Projekt, in dem es um jüdisches Überleben geht, nicht um die Abschaffung von Ware, Geld und Lohnarbeit. Teil der deutschen Zustände ist, dass die ISF - wohl zu Recht - glaubt, mit dem Kommunismus wedeln zu müssen, um deutsche Linke zur Israelsolidarität zu bewegen. Zu befürchten ist, dass der gutgemeinte Schwindel irgendwann auffliegt und nicht dann allzuviel von der aktuellen Israelsolidarität übrigbleibt - außer vielleicht einer Anzahl traditionellerer Antifaschisten, die solche Begründungen noch nie gebraucht haben.

    (Debatte zum Fragment auf X-Berg)

     

    Bei Krieg kein Öl

    Die - nicht völlig falsche, aber verkürzte - Vorstellung, es gehe den USA beim bevorstehenden Krieg gegen den Irak um "Öl" ist in der Friedensbewegung Konsens. "Friedensbeweger" (Scholl-Latour) reden bei aller Leidenschaft für ökonomistisches Denken nur sehr ungern über die Interessen der Gegner einer US-Intervention an dieser Region - dieses hat altruistisch zu sein, deshalb wird nicht weiter nachgefragt. Dabei ließe sich eine ähnlich verkürzte Argumentation auch mit den Anhängern des deutsch-französischen Vorschlags einer Besetzung des Iraks durch Blauhelm-Soldaten - Russland und China - durchführen:

    "Hauptsächlich russische Firmen wie Lukoil und Zarubezhneft sowie die französische Total-Fina-Elf stehen in den Startlöchern für die Zeit nach Aufhebung der Sanktionen. Mit im Rennen sind auch die chinesische CNPC oder die indische ONGC. (Handelsblatt, 18.11.2002 und 4.11.2002) Sie alle haben milliardenschwere Vorverträge mit dem Irak gemacht. Die Angst ist, ob ihre Verträge, die sie in der Zeit Saddam Husseins unterschrieben haben, bestehen bleiben. Diese Angst ist berechtigt: Vertreter des "Iraqi National Congress", quasi der Dachverband der irakischen Opposition, sagten in o.g. Monitor-Sendung ganz unverblümt: 'Wenn es dazu kommt, dass nur die Vereinigten Staaten und Großbritannien als einzige uns dabei helfen werden, das Land zu befreien und Saddam Hussein und sein Regime loszuwerden, dann wird eine Übergangsregierung gewiss mit großem Wohlwollen auf diese beiden Länder schauen.'" (Rüdiger Sagel)

    Dies soll keine Aufmunterung für Slogans wie "Kein Frieden für Öl" oder ähnliche Albernheiten sein, die gegenüber "Kein Blut für Öl" jedoch immerhin den Vorteil hätten, nicht nationalsozialistisch vorbelastet zu sein. Das unreflektierte Bedürfnis zahlreicher antiimperialistischer Linker, sich als als alternativer Außenminister aufzuführen und sich den Kopf der Bundesregierung zu machen (Werner Pirker: "Deshalb besteht für die deutsche Außenpolitik auch keinerlei Grund, Angst vor der eigenen Courage zu bekommen.") ist eine Bestätigung der antideutschen Prognose, man werde noch viele Genossen in dem Maße an das Vaterland verlieren, in dem seine internationale Macht wächst. Leider sind die Perspektiven für radikale Gegner gerade auch der deutschen Variante der bürgerlichen Gesellschaft trostlos wie stets, und deutsche Regierungen bleiben auch dann der Feind, wenn es die Grünen doch noch schaffen, eins ihrer alten Ziele zu verwirklichen: die NATO aufzulösen

     

    Jürgen verlässt unseren Verein II (I)

    Der Ex-Antideutsche Jürgen Elsässer behandelt in konkret 11/2002 Däubler-Gmelins Bush-Hitler-Vergleich:

    "Däubler-Gmelin aber mußte gehen, weil sie der Realität zu nahe gekommen ist: Bei Bush wie bei Hitler ist der Krieg nicht nur ein Ablenkungsmanöver von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen, sondern die einzige Lösungsmöglichkeit einer säkularen Krise." (S. 13)

    Hierzu ist, abgesehen von der schon öffentlich thematisierten Infamie des Vergleiches, einiges zu sagen:

    • Elsässer schafft es in diesem kurzen Abschnitt, die schlechtesten - und auch noch einander widersprechenden - Traditionen bürgerlichen und marxistischen Geschichtsverständnisses zu vereinen:

      Eine Vorstellung wie "Hitler führte Krieg" (meine Paraphrasierung Elsässers) dürfte sich jemand wie Elsässer, der ja durchaus mal etwas von der marxistischen Kritik eines solchen personalisierten Denkens ("Geschichte wird von großen Männern gemacht") gehört hat, nicht durchgehen lassen. Nur kurz sei erwähnt, dass es geheime Rüstungsprogramme der Wehrmacht schon seit den 20er Jahren gab: "Die Logistik des künftigen Krieges, einschließlich der Angriffsplanungen im Westen und Osten, lag bereits ausgearbeitet in den Schubladen." (Jochen Baumann)

      Gleichzeitig bemüht er ein deterministisch-ökonomistisches Denken, in dem Entwicklungen zwangsläufig bzw. die "Politik" der "Ökonomie" völlig untergeordnet erscheint: Bekannte Gassenhauer sind "Hitler als Büttel des Großkapitals", "Kapitalismus bedeutet Krieg", "Imperialismus als letztes und höchstes Stadium des Kapitalismus", und bei Elsässer eben: Krieg als "einzige Lösungsmöglichkeit einer säkularen Krise").

    • Noch schwerwiegender erscheint mir Elsässer Abnicken der völlig kruden Ansicht Däubler-Gmelins, "Hitler" habe "auch" deshalb Krieg geführt, um von "wirtschaftlichen Schwierigkeiten" abzulenken. Die Deutschen überfielen also "auch" halb Europa, damit der deutschen Bevölkerung die ökonomischen Probleme des III. Reiches nicht auffallen sollten? Diese Auffassung ist so absurd, dass sich jeder weitere Kommentar erübrigt.
    • Wer so schreibt wie Elsässer hier, erklärt - vermutlich ohne es zu wollen - Hitler mitsamt den Deutschen en passant zu Opfern der Umstände, nämlich der ökonomischen Verhältnisse. Elsässer weiß an sich und schreibt es auch im selben Artikel, dass spätestens seit 1935 die Kriegsvorbereitungen auf Hochtouren liefen und bewusst ein ruinöses deficit-spending betrieben wurde, um Krieg zu ermöglichen. Mit einigem Bewusstsein brachten sich die Nationalsozialisten in eine Lage, in der ein Krieg unausweichlich wurde, der ohnehin gewollt war.

      Was bei Elsässers Text offensichtlich wird ist, dass eine antideutsche Position, die den Tätern die volle Verantwortung für ihr Handeln zuweist, sich auf Dauer schlecht mit deterministischen Weltbildern wie dem der ökonomistischen "Neanderthal-Marxisten" (Terry Eagleton) verträgt. Insofern erscheint Elsässers Aufgabe der antideutschen Position folgerichtig, auch wenn sie keineswegs zwangsläufig war - diese Dinge scheinen oft nur so, das dafür aber um so heftiger.

     

    Der irakische Sozialismus

    Marc Weisser von der "Aktion 3. Welt Saar" ist hoch anzurechnen, dass er es ausgehalten hat, sich mit Rainer Rupp an einen Tisch zu setzen und ein Interview zu führen. Dabei erfuhr man u.a. folgendes:

    "Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass Saddam Hussein ein solch brutaler Mensch ist, als der er immer hingestellt wird. Das wäre mir bei meiner Delegationsreise wohl aufgefallen."

    Es wird die Angehörigen der durch Giftgasangriffe ermordeten Kurden im Nordirak sicher beruhigen zu hören, dass die Ursache für die Vernichtung von 4.000 kurdischen Dörfern nicht in der Persönlichkeit Saddam Husseins zu finden ist. Und Husseins Antisemitismus ist für Rupp vermutlich schon aus Gründen der Solidarität kein Thema, über das er öffentlich ein Wort verlieren würde.

    Etwas später:

    "Schließlich ist der Irak seinem Anspruch nach ein sozialistischer, säkularer Staat."

    Nicht in Wirklichkeit - das zu behaupten traute sich selbst Rainer Rupp nicht - aber immerhin lässt diese Aussage ahnen, wie Rupp sich Sozialismus vorstellt: Eine Partei herrscht, die Gegner werden ermordet oder in den Knast gesteckt, Portraits des Großen Vorsitzenden müssen in jeder Wohnung aufgehängt werden, und der Kampf gegen den Zio-Imperialismus wird mit aller Entschlossenheit geführt.

    Rainer Rupp ist andererseits kein Unmensch, und er kann verstehen, dass manche Iraker das Regime nicht so doll finden:

    "Die, die in den Gefängnissen sitzen oder geflohen sind, sehen das naturgemäß anders." (alle Zitate aus: Flugschrift 1/2002, S. 11f.)

    Um gewollten Missverständnissen vorzubeugen: Wer autoritäre Charaktere wie Rainer Rupp verachtet, muss nicht zwangsläufig einen Krieg gegen den Irak gutheißen. Wolfgang Pohrt kommentierte seine eigene Befürwortung des 2. Golfkrieges in einem 1998 geführten Interview:

    "Wenn linke Schreiber den Frieden oder den Krieg meinen befürworten zu müssen, leiden sie stets unter Realitätsverlust und einer gewissen Aufgeblasenheit. Wenn unsereiner so tut, als ob die, welche über Krieg und Frieden entscheiden, auf ihn hören würden, macht er sich lächerlich. Mein Fehler war, daß ich mich von den friedensseligen Israel-Hassern zum Widerspruch provozieren ließ. Man soll eben nicht mit Leuten streiten, bei denen nicht mal das Gegenteil von dem, was sie sagen, richtig ist."

     

    Jürgen verlässt unseren Verein

    Nachdem Jürgen Elsässer kein Redakteur der Zeitschrift konkret mehr ist und wieder in der Jungen Welt publiziert, die er einst u.a. wegen ihres Antisemitismus verlassen hatte, kann man schon lesen, es sei abzusehen gewesen, dass Elsässer einmal dorthin zurückkehren würde. Solchen Im-Nachhinein-Prophezeihungen kann ich nicht allzuviel abgewinnen, interessant hingegen erscheint mir zu beobachten, wie Elsässer seine eigene Geschichte nun partiell umschreibt, um - für sich selbst und für seine Leser - eine Stringenz wiederherzustellen, die nötig ist, um seine neueste ideologische Wendung als plausible Reaktion auf die aktuelle Entwicklung zu verkaufen. Dass er mittlerweile ein Problem mit der "Antisemitismuskeule" hat, die er heute seinen ehemaligen Weggefährten aus der antideutschen Linken ankreidet, machte er schon vor einigen Monaten deutlich, als er walsernd schrieb:

    "Gerade für die Positionskämpfe innerhalb der Linken gilt das Motto: 'Wer zuerst Auschwitz sagt, hat gewonnen!" (konkret 6/2002, S. 17)

    Angeblich hatte er der Linken mit seiner früheren Kritik an deren Antisemitismus nur helfen wollen:
    "Die Medizin, die ich zusammen mit Gremliza (und anderen) der Linken gegen ihren Antisemitismus zu schlucken gab, war immer bitter. Aber es war immer Medizin, die den Patienten heilen sollte sollte, nicht um die Ecke bringen."(ebda.)

    Das "immer" ist natürlich geflunkert. Vor einigen Jahren hatte Elsässer nämlich eine Phase, in der er u.a. Folgendes behauptete:

    "Heute ist es nicht nur illusionär, sondern reaktionär, sich positiv auf die Linke zu beziehen."
    Denn: "Das Beispiel Gollwitz zeigt, daß ein Gutteil der Linken heute die Rolle übernommen hat, die beim Pogrom von Rostock-Lichtenhagen die CDU/CSU spielte: Ihre Vor- und Afterdenker fabrizieren die Brand-Sätze, die dann von Glatz- und Hohlköpfen nur noch angezündet werden müssen. Schon länger waren Leute wie Gerhard Schröder, Christine Ostrowski oder Heinrich Graf von Einsiedel negativ aufgefallen - man konnte sich aber mit der These trösten, daß ihre rassistischen oder deutschnationalen Äußerungen nicht ihrem Links-Sein, sondern ihrem Zu-wenig- oder Nicht-mehr-Links-Sein geschuldet seien. Gollwitz läßt diese Ausflucht nicht mehr zu: Je weiter man sich auf der politischen Skala von der Mitte nach links bewegte, umso unverschämter wurde die Unterstützung für den Antisemitismus der Dörfler."

    In einer Zeit, in der die Zahl antisemitischer Straftaten gerade auch in Deutschland rasant zunimmt, gelangt Elsässer nun zu der Überzeugung, die Linken sollten es mit dem Thema Antisemitismus mal nicht übertreiben und publiziert wieder in der Jungen Welt, in der wüster Antizionismus à la Werner Pirker seit Jahren en vogue ist, mit dem ihn mittlerweile ein offen eingestandener Antiamerikanismus (1) verbindet. Elsässer ist der erste prominente Antideutsche, der in den Schoß der Traditionslinken zurückkehrt und antideutsche Positionen - zumindest partiell - revidiert ( "Ich würde dafür plädieren, die Anti-Etiketten abzunehmen, sie befördern nur die Abgrenzerei." - O-Ton JE in der Jungen Welt).

    Er war einer der lautstärksten Vertreter der antideutschen Linken, aber nicht eben der theoretisch Beschlagendste (er ist mehr an "Fakten" interessiert, was bisweilen zu guten Texten führte, etwa über die Dresden-Lügen), und so bleibt abzuwarten, ob ihm andere nachfolgen werden, und ob sie ihren Abgang besser inszenieren werden als Elsässer.

    O-Ton Elsässer: "Menschen, die angesichts des Amoklaufes des US-Präsidenten nicht ein paar antiamerikanische Reflexe verspüren, sind hirntot, ihre Körperfunktionen werden nur noch durch Infusionen der imperialistischen Propagandamaschine in Gang gehalten." O-Ton Pirker: "Der »Antiamerikanismus« wäre, würde er organisiert auftreten, die größte und fortschrittlichste Massenbewegung unserer Zeit. Ihn zu einem bewußten Anti-US-Imperialismus zu gestalten, wäre die vornehmste Aufgabe der Linken."


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